Flüchtlinge im Libanon: Würdevoll leben ohne Heimat

Zu einem würdevollen Leben gehören Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. Davon sind Menschen auf der Flucht weit entfernt. Sie sind auf fremde Hilfe angewiesen und haben kaum Perspektiven für die Zukunft. Das gilt insbesondere für die Menschen, die vor dem Krieg aus Syrien geflüchtet sind.

Nasser und Kafa mit fünf der sechs Kinder.
Bildlegende: Nasser und Kafa mit fünf der sechs Kinder. SRF

Viele Flüchtlinge aus Syrien haben im Libanon Zuflucht gefunden. Heute leben rund 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge im südlichen Nachbarland, ohne grosse Hoffnung, in absehbarer Zeit in ihre Heimat zurück zu kehren. Sie sind enttäuscht, frustriert und teils traumatisiert. Je länger je mehr sind sie sich bewusst, dass sie im Libanon keine Zukunft haben werden.

Kaum genug, um zu überleben

Das wissen auch Nasser und Kafa. Sie leben mit ihren sechs Kindern in der Nähe der südlibanesischen Stadt Nabatjeh. Sie sind vor drei Jahren aus der vom IS kontrollierten Stadt Deir es Zor geflüchtet. Zusammen mit Nassers Mutter und zwei Brüdern leben sie auf engstem Raum.

Privatsphäre ist ein Fremdwort. Auch die finanzielle Abhängigkeit macht der jungen Familie zu schaffen. Sie erhalten zwar Unterstützung von der Schweizer Hilfsorganisation «Solidar Suisse» und bekommen UNHCR-Essensgutscheine. Das reicht jedoch kaum zum Leben. Deshalb versucht Vater Nasser jeden Morgen als Taglöhner eine Arbeit zu finden.

Stimmung ändert sich

Das ist allerdings ein schwieriges Unterfangen. Jobs sind rar, und auch die libanesische Bevölkerung sucht Arbeit. Rund ein Viertel der 4,5 Millionen Libanesen leben wie viele syrische Flüchtlinge an der Armutsgrenze. Das sei mit ein Grund, weshalb sich in den letzten zwei Jahren die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien gewendet hat, meint SRF-Nahostkorrespondent Pascal Weber. Viele Libanesen, die vor fünf Jahren mit grosser Bereitschaft Flüchtlinge aufnahmen, fürchten nun um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft.

Zu wenig Geld für Hilfe

Die Hilfe für Opfer des Syrienkonflikts hat in den letzten Jahren Milliarden von Hilfsgeldern verschlungen. Allein der Libanon bräuchte dieses Jahr laut der internationalen Gemeinschaft 2,5 Milliarden, um den Flüchtlingen ein würdevolles Leben zu ermöglichen.

Der UNO-Aufruf jedoch wird kaum gehört, das Geld fehlt. Auch Hilfsorganisationen kämpfen um Mittel, damit die Hilfe für die Bedürftigsten nicht einfach ausläuft. So ist auch Glückskette-Partner «Solidar Suisse» bemüht, der Familie von Nasser und Kafa weiter finanzielle Unterstützung zu bieten.

Redaktion: Ladina Spiess