«Ich bin eine Witwe mit Mann»: Leben mit Demenzkranken

Eine Demenzerkrankung ist auch für deren Angehörige eine grosse Belastung. Anstatt ihren Lebensabend zu geniessen, kommen sie jahrelang stark an ihre Grenzen. Häufig sterben sie noch vor den Demenzkranken. Im «Doppelpunkt» erzählen Angehörige von Demenzkranken ihre ganz persönliche Geschichte.

Verschränkte Hände eines alten Paares
Bildlegende: «Bis dass der Tod uns scheidet»: Angehörige von Demenzkranken tragen oft ein schweres Los. SRF

Rund 113'000 Menschen sind heute in der Schweiz von Demenz betroffen. Demenz bedeutet «Entgeistigung», ist eine Hirnleistungsstörung und heute noch eine unheilbare Krankheit.

In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zahl der Demenzkranken voraussichtlich verdreifachen. Die Hälfte aller Betroffenen leidet unter der Alzheimer-Demenz. Und die Hälfte aller Betroffenen lebt noch immer daheim; betreut von ihren Angehörigen und anderen Pflegenden.

Wenn die Liebsten zu Fremden werden

Angehörige von Verschollenen erleben etwas sehr Ähnliches wie Angehörige von Dementen: Es ist ein unklarer, ein uneindeutiger Verlust, der schleichend beginnt und bis zum Tod kein klares Ende hat. In der Fachsprache wird dieser Vorgang als «ambiguous loss» bezeichnet.

Der Ehemann lebt zwar noch, aber er erkennt seine Frau nicht mehr. Die Tochter pflegt ihre demente Mutter, aber diese begrüsst sie jeden Morgen, als wäre sie eine Fremde. Die gewohnte Kommunikation mit dem Demenzkranken ist nicht mehr möglich, die Vergangenheit ist ausgelöscht, der gemeinsam gegangene Lebensweg auch.

Ein lebenswertes Leben mit Demenzkranken

Im «Doppelpunkt» erzählen Angehörige von Demenzkranken von ihrer täglichen Verzweiflung und ihren ganz persönlichen Wegen mit diesem Schicksal.

Zudem zeigen Fachleute auf, wie auch ein Leben mit einem Demenzkranken lebenswert sein kann, wie Angehörige Zuversicht und seelische Widerstandskraft gewinnen und die eigene Trauer und die Widersprüchlichkeit im Leben mit Demenzkranken akzeptieren können.

Autor/in: Christine Schulthess