Lebenslust und Liebesfrust - Weibliche Singles ab Mitte fünfzig

Sie geniessen ihr Leben, sind selbständig und unternehmungslustig und wissen genau, was sie wollen. Nur etwas fehlt in ihrem Alltag: ein Partner. Viele Single-Frauen ab Mitte fünfzig sehnen sich nach einer festen Liebesbeziehung. Wo aber sind die Männer auf Augenhöhe, die sich einlassen?

Frau mit Hut schaut in die Ferne.
Bildlegende: Symbolbild. Colourbox

Denia (69) ist attraktiv, sportlich und naturverbunden. Vergeblich hat sie sich auf einer Dating-Plattform angemeldet. Selten wurde sie angeschrieben und mehrfach brachen Männer nach ersten Mail-Wechseln den Kontakt plötzlich wieder ab. «Ich kam mir vor wie ein welkes Gemüse, das auf dem Marktstand liegen bleibt», erinnert sich Denia. Diese Demütigung habe ihr nicht gut getan.

Mehr Glück im Netz hatte Sabina (58): ein vielversprechendes Verhältnis dauerte sechs Monate. Sexuell sei sie dabei voll auf ihre Rechnung gekommen, sagt sie. Aber sie habe gespürt, dass sie sich nicht wirklich in den Mann verliebt hatte. Und so sei sie wieder ausgestiegen. Es schien ihr nicht fair, auf dieser Basis eine Beziehung aufbauen zu wollen.

Sind reifere Frauen zu anspruchsvoll? Oder schränkt das Alter die Wahlchancen erheblich ein, weil Männer ihrer Generation meist Jüngere bevorzugen? Oder hält sich das Klischee in den Köpfen, dass grauhaarige Frauen nach der Menopause eh die Freude an Erotik und Leidenschaft verlieren?

Erica Jong, die streitbare US-Feministin und Bestseller-Autorin («Angst vorm Fliegen») ist jedenfalls überzeugt, dass es in unserer Gesellschaft ein ungeschriebenes Gesetz gibt: «Wir älteren Frauen haben nicht attraktiv zu sein», sagt sie. «Und es ziemt sich auch nicht, sich für Sex und Männer zu interessieren. Und doch tun wir es!». In ihrem jüngsten Buch bricht sie dieses Tabu.

Sie kommt in der Sendung «Doppelpunkt» ebenso zu Wort wie betroffene Single-Frauen und Fachleute.

Autor/in: Luzia Stettler