«Schon wieder Haiti»

Dieser Gedanke ging vielen Leuten durch den Kopf, als der Wirbelsturm Matthew am 4. Oktober den Inselstaat mit voller Wucht traf. Dafür hat sich das Land trotz grosser internationaler Hilfe kaum vom Erdbeben 2010 erholt. Jetzt also werden wieder Staaten und private Spender um Hilfe gebeten.

Zerstörte Häuser und kaputte Bäume in Haiti
Bildlegende: Hurrikan «Matthew» hinterliess gewaltige Zerstörung Glückskette

Die Welt scheint trotz der sichtbaren Not müde zu sein, Haiti zu unterstützen. So haben die Vereinten Nationen die Staaten um insgesamt 120 Millionen Dollar gebeten. Bislang sind knapp 10 Millionen eingegangen. Auch die Glückskette ruft zu Spenden für die Hurrikan Opfer auf.
Vor sechs Jahren, nach dem Erdbeben, sammelte die Glückskette über 66 Millionen Franken. Die Partnerhilfswerke setzten das Geld für Nothilfe und Wiederaufbauprojekte ein.

SRK-Häuserprojekt in Leogane

Der Doppelpunkt berichtet über verschiedene Projekte, die unter anderem mit Geldern aus der Glückskette-Sammlung realisiert wurden. Hielten beispielsweise die rund 600 Häuser, die das Schweizerische Rote Kreuz in der Erdbebenregion erstellte, dem heftigsten Hurrikan seit Jahrzehnten stand? Ein Augenschein zeigt, dass nur gerade drei Häuser leicht beschädigt sind. Der Sturm fegte auch in jener Region mit über 200 Stundenkilometer über die Insel.

Sind private Initiativen überschaubarer?

Es gibt aber auch verschiedene Hilfsprojekte, die nicht von grossen Hilfswerken, sondern auf private Initiative hin realisiert werden. Ein Beispiel dafür die das Albert-Schweitzer-Spital, eine Projekt von Rolf Maibach. Der Schweizer des Jahres 2010 war Chefarzt der Klinik und unterstützt heute mit privaten Spenden die Kinderklinik des Spitals. «Kleinere Projekte wie unser Spital haben zwar nicht die mediale Strahlkraft wie die grossen Schweizer Hilfswerke. Dafür wissen die Spender sehr konkret, wie das Geld eingesetzt wird», ist Csongor Deak, Schweizer Kinderarzt in Haiti überzeugt.

Ein Fass ohne Boden

Haiti hängt seit Jahrzehnten am Tropf der internationalen Hilfe. Fördert dies die Abhängigkeit eines Staates nicht noch mehr? Daniel Voll, SRF-Auslandredaktor war schon mehrere Male in Haiti und kennt die politische und gesellschaftliche Situation des Landes bestens. Er ordnet die Lage des Landes ein und erklärt, weshalb es ein Staat wie Haiti ohne Hilfe kaum schaffen würde. Die Hoffnung, dass das Land nicht nur auf dem Papier unabhängig ist, scheint ihm sehr gering.

Moderation: Marietta Tomaschett, Redaktion: Ladina Spiess