Transkinder: Wenn die Phase keine Phase ist

Dass ein Mädchen kurze Haare will und ein Junge gern mal im Röckchen der Schwester spielt, ist alles andere als besorgniserregend. Aber ab wann ist es keine Phase mehr? Ab wann besteht Handlungsbedarf? Der «Doppelpunkt» spricht mit Fachpersonen und besucht einen 11-jährigen Trans-Jungen.

Ein kleines Mädchen wird geschminkt.
Bildlegende: Kinder entdecken ihre Geschlechtsidentität schon früh. Symbolbild/Keystone

«Ich bin keis Meitli, ich bin en Bueb!» Wenn ein Mädchen diesen Satz immer und immer wieder äussert, dann ist es angezeigt, dass sich das Umfeld Gedanken macht. Irgendwann kommt die Frage auf, ob das Kind eventuell trans* ist, sprich seine Identität nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt.

Ab wann besteht Handlungsbedarf?

«Wenn ein deutliches Leiden auftaucht, ein ganz tiefes und deutliches Gefühl, dass hier etwas nicht passt, besteht Handlungsbedarf», sagt Dagmar Pauli. Die Chefärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich leitet seit einigen Jahren eine Sprechstunde für Trans-Fragen. «Eltern, die hinhören, spüren den Unterschied», sagt sie.

Nachfrage bei Trans-Fachstellen gestiegen

Transkinder und -jugendliche tragen ihren Konflikt häufig lange alleine mit sich aus. Manche sind selbstmordgefährdet. In der Schweiz ist die Nachfrage bei Trans-Fachstellen in den letzten Jahren gestiegen, weil heute ein Bewusstsein für die Thematik besteht.

Immer noch ein Tabuthema

Kindern und Jugendlichen kann mit Gesprächen, Pubertätsblockaden oder Hormonbehandlungen geholfen werden. Dennoch ist das Thema in der Gesellschaft, in Schulen und bei vielen Behörden noch ein Tabu. Verunsicherung und Irritation sind gross. Wie kann man sicher sein, dass ein Kind ein Transkind ist? Was darf man erlauben? Ab wann darf man Minderjährige medizinisch behandeln?

«Ich bin ein Junge»

Die Sendung «Doppelpunkt» spricht mit diversen Fachpersonen und besucht einen 11-jährigen Jungen, der als Mädchen zur Welt kam. Seit seinem dritten Lebensjahr sagt er: «Ich bin ein Junge.»

Heute hat er einen Jungennamen und darf in der Schule die Jungentoilette besuchen. Er nimmt Pubertätsblocker, die die weibliche Entwicklung unterdrücken. Bald wird er mit der Hormonbehandlung beginnen, um die männliche Pubertät einzuleiten.

Ob später auch eine operative Geschlechtsanpassung folgt, muss noch nicht entschieden werden. «Immer mehr Trans-Menschen müssen heute nicht mehr das volle Programm machen, um sich wohl zu fühlen», sagt Chefärztin Dagmar Pauli. «Sie müssen nicht jeden medizinischen Schritt gehen.»

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Patricia Banzer