Spitalwesen steuert auf finanziellen Infarkt zu

Schweizer Spitäler sind heute doppelt so teuer wie vor 20 Jahren. «ECO» stellt die Diagnose, woran die Spitalbranche krankt und welche Therapie dagegen zu verordnen wäre.

Spitäler sind mit Abstand der teuerste Kostenblock im Schweizer Gesundheitswesen: 27 Milliarden Franken pro Jahr, sagen die jüngsten Daten. Das ist ein Anstieg von mehr als 100 Prozent innerhalb von 20 Jahren. Bürger und Bürgerinnen finanzieren die Spitäler vor allem mit Steuern und Krankenkassenprämien. Letztere sind für die Haushalte bald nicht mehr finanzierbar.

Seit der Einführung der so genannten Fallpauschalen und der freien Spitalwahl 2012 stehen Krankenhäuser untereinander im Wettbewerb. Will ein Spital langfristig überleben, muss es konkurrenzfähig bleiben und vielfältige Leistungen anbieten. Vor allem öffentliche Spitäler investieren darum in den nächsten Jahren bis zu 20 Milliarden Franken in Um- und Ausbauten. Ob sich diese Investitionen jemals rechnen, ist völlig offen. Jedes Spital schaut für sich – eine interkantonale, ja schweizweite Krankenhaus-Planung findet praktisch nicht statt.

Patient wird zum Vermögenswert

Über das finanzielle Sein oder Nichtsein eines Krankenhauses entscheiden letztlich die Anzahl der Patienten und Eingriffe. Nur wenn ein Spital von beidem genügend hat, erwirtschaftet es den erforderlichen Umsatz. Der Patient wird zum Vermögenswert. Vor allem wenn er einen teure Operation braucht und das Spitalbett füllt, also mindestens eine Nacht im Krankenhaus liegt.

Dies führt zu einem ungesunden, teuren und oft unnötigem Mengenwachstum an Spitalleistungen und damit letztlich zu höheren Krankenkassenprämien. Die öffentliche Hand kämpft dagegen an: Nicht jedes Krankenhaus soll künftig alles machen dürfen. Doch sogenannte Mindestfallzahlen und Leistungsvereinbarungen sind oft nicht mehr als Symptombekämpfung.

Weniger Spitäler, ein Abbremsen medizinischer Leistungen und ein Herunterschrauben der persönlichen Anspruchshaltung sind dringend nötig. Sonst ist das Spitalsystem finanziell nicht mehr zu retten.

Im Anschluss an diese Sendung folgt der «ECO Talk» – mit

  • Rudolf Bruder, Leiter Kundenservice & Leistungen Helsana
  • Rolf Gilgen, Direktor des Spitals Bülach, und
  • Brida von Castelberg, Vizepräsidentin der SPO Patientenschutz

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