Tickt die Schweizer Uhrenbranche richtig?

Die Uhren-Chefs Jean-Claude Biver (Hublot, TAG Heuer, Zenith) und Jérôme Biard (Eterna, Corum) diskutieren mit Jungunternehmer Philipp Man (Chronext) über Krisen, Emotionen und den richtigen Weg in die digitale Zukunft.

Es geht nicht immer nur aufwärts – das musste die Schweizer Uhrenbranche nach Jahrzehnten des Erfolgs wieder einmal lernen. Zwei Jahre lang sind die Verkäufe gesunken. Ist jetzt die Krise überwunden, oder ist das nur ein Zwischenhoch?

Die Traditionsbranche steht in zweierlei Hinsicht vor einer digitalen Herausforderung: Sie darf den Trend zum Online-Konsum nicht verpassen. Und sie muss ihre Produkte digital aufrüsten, denn Tech-Konzerne haben mit Smartwatches eine neue Konkurrenz für die Schweizer Präzisionsinstrumente geschaffen.

Im Vorfeld der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld diskutiert Reto Lipp mit:

Jean-Claude Biver (Hublot, TAG Heuer, Zenith)

Krise – welche Krise? Jean-Claude Biver sieht die Branche gut aufgestellt und führt den Auftragsrückgang der vergangenen Jahre auf die Weltkonjunktur zurück. Gerade in solchen Zeiten müsse man in Werbung investieren und sich Neues einfallen lassen. Jean-Claude Biver führt für den französischen Uhren- und Schmuck-Konzern LVMH die Schweizer Marken Hublot, Zenith und TAG Heuer. Mit Letzterer hat er eine eigene Smartwatch auf den Markt gebracht.

Jérôme Biard (Eterna, Corum)

Jérôme Biard muss erst einmal aufräumen, bevor er grosse Sprünge machen kann. Eterna hat schlechte Zeiten hinter sich. Jérôme Biard steht erst seit wenigen Monaten an der Spitze des 162 Jahre alten Grenchener Unternehmens. Dabei hat er einen mächtigen Besitzer im Rücken, der auf schwarze Zahlen wartet: Der chinesische Schmuckkonzern Haidian hat Eterna und die Marke Corum 2011 gekauft.

Philipp Man (Chronext)

Wer braucht schon das luxuriöse Umgarnen in Uhrengeschäften, wenn er eine Uhr zuhause probetragen kann? Mit dieser Überzeugung hat Philipp Man gemeinsam mit einem Partner die Plattform Chronext gegründet. Das Kölner Unternehmen mit Sitz in Zug verkauft Uhren online. Philipp Man weiss von keiner Krise zu berichten. Seit 2013 hat er die Zahl der Angestellten auf 160 gesteigert und rechnet in diesem Jahr mit einem dreistelligen Millionenumsatz. Hersteller und Händler begegnen ihm nicht nur mit Wohlwollen.

Die Sendung steht ab 14.00 Uhr des Sendetages als Web Preview zur Verfügung.

#srfecotalk

Beiträge

  • Emotionsbusiness Uhren

    Uhren werden über Gefühle verkauft. Die Industrie setzt bei ihren Werbeträgern auf prominente Personen aus Showbusiness und Sport.

  • Ist die Krise überwunden?

    Die Schweizer Uhrenindustrie hat einen Abschwung hinter sich. Ob das eine Krise war, ist allerdings Ansichtssache.

  • Konkurrenz Smartwatch

    Apple hat mit der Smartwatch etwas eingeführt, das das Produkt Uhr völlig neu denkt. Wie gefährlich ist das für die Schweizer Uhrenindustrie? Jean-Claude Biver hat mit einer eigenen Smartwatch darauf reagiert.

  • Wie online muss die Uhrenbranche sein?

    Die grosse Frage ist: Welche Rolle wird der Online-Handel künftig in der Schweizer Uhrenbranche spielen? Bis heute ist der Verkauf von Luxusuhren ein Ereignis für den Käufer. Philipp Man ist überzeugt: Das wird bald nicht mehr gefragt sein.

  • Uhren- und Schmuckmesse in der Kritik

    Die Baselworld hat 2018 weniger Ausstellung und geht weniger lang. Braucht es im Uhrenbereich überhaupt noch Messen?

  • Zuschauerfrage: China wird alle überrollen

    @DivicoT meint: China wird wie beim Smartphone im Mittel- und Tiefpreissegment den Weltmarkt unbarmherzig überrollen.

  • Zuschauerfrage: Wo ist die Innovation?

    @ocgb fragt: Wo hat es in der Schweizer Uhrenbranche wirklich Innovationen?

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