Affen und Salamander beim Mathetest

Viele Tiere haben einfache mathematische Fähigkeiten. Das Gehirnsystem, das sie dafür benutzen, scheint auch im Mensch noch zu funktionieren – und eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

Eine Horde Bonobos auf einer Wiese.

Bildlegende: Alle da? In der freien Wildbahn müssen Tiere wie diese Bonobos in der Lage sein zu schätzen, wie viele Tiere zugegen sind. Imago

Können Tiere rechnen? Die Frage mag verrückt klingen. Aber tatsächlich haben Forscher sie schon vielen Tieren selbst gestellt – in Form von Experimenten. Eine verblüffend vielfältige Truppe an Tierarten hat mit «Ja» geantwortet – nicht wörtlich, aber indem sie die Aufgaben gelöst haben, die ihnen die Wissenschaftler vorlegten: Tauben haben genauso reüssiert wie Affen, Fische ebenfalls, sogar Salamander, Bienen und Mehlkäfer.

Eine einfache Aufgabe, die Forscher zum Beispiel Salamandern gestellt haben: «Vergleiche kleine Mengen miteinander». Sie boten Salamandern gleichzeitig ein Futterpaket mit 8 und eines mit 16 Heuschrecken an – und siehe da: Die grosse Mehrheit der Salamander wählte das grössere Paket. Allerdings müssen die beiden Vergleichsmengen genügend unterschiedlich sein. Salamander erkennen zuverlässig, dass 16 Heuschrecken mehr sind als 8. Bei 12 und 8 klappt es nicht so gut.

Schätzen als Überlebenshilfe

Nichtsdestotrotz: Erstaunlich viele Tierarten haben eine einfache Vorstellung von Mengen; ihr Gehirn besitzt ein Modul, das schätzen kann, sagt Giorgio Vallortigara von der Universität Trento in Italien: «Dass so viele und so unterschiedliche Arten diese Fähigkeit haben, zeigt: Sie ist enorm wichtig für das Überleben dieser Tiere.»

Im Falle des Salamanders liegt der Vorteil darin, dass er zwischen grossen und kleinen Beutehaufen unterscheiden kann. Eine Horde Schimpansen wird eine Nachbarsgruppe nur dann angreifen, wenn sie zahlenmässig überlegen ist. Und für Schwarmfische und Hühner ist es vorteilhaft, wenn sie sich den grössten Gruppen anschliessen. Denn diese bieten den besten Schutz für ein Individuum, wenn ein Jäger angreift.


Können Tiere zählen?

8:50 min, aus HörPunkt vom 02.10.2014

Homo sapiens nicht überlegen

Vermutlich haben sogar wir Menschen dieses ursprüngliche Mathemodul im Gehirn – so erstaunlich dies klingen mag, wenn man sich einen Salamander bei der Futterwahl neben Albert Einstein beim Rechnen vorstellt. Experimente haben gezeigt, dass Menschen beim Abschätzen von Mengen nicht besser abschneiden als Affen – wenn die menschlichen Probanden nicht exakt zählen dürfen. Das lässt darauf schliessen, dass für diese Aufgabe im Menschen- und Tiercomputer ein ähnlicher Prozessor vor sich hinrechnet.

Gelbe und blaue Punkte auf einem grauen Hintergrund.

Bildlegende: Schätzen im Test: Teilnehmer bekommen solche Bilder 0,2-0,6 Sekunden zu sehen, zu schnell zum Zählen. Hat es mehr gelbe oder blaue Kreise? .

Bestimmte Tests mit Kleinkindern haben Überraschendes zutage gefördert, sagt Giorgio Vallortigara: Jene Kleinkinder, die gut Mengen abschätzen können, sind später auch gut im Rechnen. Und Kleinkinder, die dabei schwächer abschneiden, rechnen später auch weniger gut. Immerhin, es gibt einen Trost: Versuche haben nämlich auch gezeigt: wenn man mit Kleinkindern das Schätzen von Mengen übt, dann können sie später auch besser rechnen.

Ihre Schätzfähigkeit – im Test

Wenn Sie selbst einen Schnell-Schätztest machen wollen, können sie dies hier tun (in englischer Sprache). Auf dieser Webseite können Sie eine ausgefeiltere Version des Tests absolvieren und an einer Studie teilnehmen. Und wenn Sie den direkten Vergleich mit einem Affen nicht scheuen, hier geht's zu diesem Test.

Intelligente Primaten im Experiment