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Big Data: Das grosse Vermessen «Mit den Daten verantwortungsvoll umgehen»

Die Stadtpolizei Zürich nutzt als erste Polizei in der Schweiz eine neue Software zur Bearbeitung von Einbrüchen: Das System stellt eine Prognose für Folgedelikte. Thomas Schweer, der Kopf hinter dieser Software-Lösung, lässt sich im Video-Interview in die Karten blicken.

Legende: Video Thomas Schweer im Interview abspielen. Laufzeit 4:18 Minuten.
Vom 25.09.2014.

Ab November 2014 wird die Stadtpolizei mit Hilfe von Big Data Einbrüche verhindern – dank einer Software, deren Einführung rund 100'000 Franken kosten wird. Im Programm «precobs» (kurz für: «Precrime Observation System») stecken Erkenntnisse aus der Psychologie, Soziologie, Statistik, Mathematik, der kriminologischen Forschung – und vielfältige Erfahrungen aus der polizeilichen Ermittlungsarbeit.

Mit Big Data zur Verbrechensbekämpfung

Die Software berücksichtigt die Merkmale aller Einbrüche in Zürich in den vergangenen fünf Jahren. Jeden neu erfassten Einbruch vergleicht sie mit der vorhandenen Datenhistorie und versucht, ermittlungsrelevante Muster zu entdecken, um eine Prognose für weitere Einbrüche zu stellen.

Diese Vorhersage grenzt dann Räume im Stadtgebiet ein, in denen weitere Einbrüche in den kommenden ein bis zwei Tagen zu erwarten sind. Ein Ermittlungsbeamter kontrolliert diese Prognose mit seinem Fachwissen – und anschliessend werden Einsatzkräfte in das ausgewiesene Gebiet geschickt.

Regelmässigkeiten bei Mehrfachtätern

Schweers Softwarelösung arbeitet nach dem wissenschaftlich untersuchten «Near Repeat»-Modell: Es besagt, dass in geografischen Örtlichkeiten, in denen ein Einbruch stattgefunden hat, vielfach Folgedelikte nach einem bestimmten Muster auftreten (Near Victimization, Link öffnet in einem neuen Fenster). Diese Theorie stellt in den Fokus, dass Einbrecher – vor allem professionelle Serientäter – nach bestimmten Regeln arbeiten, deren Muster Rückschlüsse auf die Vorgehensweise erlauben.

Mit Big-Data-Methoden soll künftig immer mehr «Predictive Policing, Link öffnet in einem neuen Fenster» betrieben werden, davon ist Programm-Entwickler Thomas Schweer überzeugt – also computer-ausgewertete Polizeiarbeit, um künftige Delikte mit statistischen Wahrscheinlichkeiten vorhersagen zu können.

Zur Person

Zur Person

Thomas Schweer ist der Inhaber der Firma «Institut für musterbasierte Prognose-Technik» in Oberhausen, Deutschland. Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Soziologe mit polizeilicher Ermittlungsarbeit. Mit seinem Team hat er eine Software geschaffen, die erfasste Wohnungseinbrüche analysiert und Folgedelikte prognostizieren kann.

5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    Minority Report lässt einmal mehr grüssen.., anstatt den Systemfehler endlich zu beheben und somit eine der Hauptursachen für Kriminalität, baut man lieber fleissig weiter am Gefängnisplaneten.
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  • Kommentar von m.fischbacher, nidau
    Die Politik und PFZ macht den Einbruchtourismus erst möglich, wir müssen dann intervenieren und uns auf solche Zufallsgeneratoren verlassen! Das System versucht schon vorhandenes Wissen, (da dort schon Eingebrochen wurde!) mit der Möglichkeit zu vergleichen, dass in dieser Gegend weitere Einbrüche geschehen könnten zu ergänzen. Wenn zwei Einbrüche in der selben Weise ablaufen, können wir davon ausgehen, dass es die selben Täter waren! Dafür eine Software-Lösung...? Überrasche mich Statistik!
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  • Kommentar von A. Huber - ICT, Basel
    Diese Entwicklung ist brandgefährlich! Präventionsstaat pur! Nur schon, wenn ich mich gem. der Mustererkennung einer Software auffällig verhalte, werde ich wohl künftig festgenommen und verurteilt! Wann ist mein Verhalten auffällig? Wenn ich nur bar bezahle, wenn ich kein Handy nutze und mich auch sonst nicht ausspionieren lassen will? Solche Methoden haben nichts mehr mit einem liberalen Rechtsstaat zu tun. Willkommen im Zeitalter der Versklavung durch Algorithmen und der Selbstversklavung!
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