Wie tickt die Schweiz? – Die Resultate der Umfrage

Fast 1500 Personen haben an der SRF-Umfrage «Wie tickt die Schweiz?» teilgenommen. Die Auswertung zeigt, dass die Schweizer ein ziemlich braves Völkchen sind. Sie machen kaum blau und gehen selten fremd. Die Resultate sind mit einem Augenzwinkern zu geniessen. Trotzdem kann man daraus etwas lernen.

Drei ältere Frauen stehen auf einer grossen Schweizer Landkarte.

Bildlegende: Mitgezählt: Wie oft sündigen die Schweizerinnen und Schweizer? Drei Mal dürfen Sie raten. Keystone

In der Schweiz wird nahezu alles gezählt. Von der Geburt bis zum Tod wird unser Leben in Statistiken gefasst; bei diversen Behörden wie zum Beispiel dem Bundesamt für Statistik. Doch es gibt noch weisse Flecken auf der Vermessungslandkarte: bei den extrem privaten Dingen des Lebens, beim Fremdgehen, beim Steuern-Hinterziehen, beim Blaumachen.

Sündhafte Fragen

Privates soll ja eigentlich privat bleiben. Trotzdem haben wir unsere Leserinnen und Leser gebeten, ganz anonym einige Details aus ihrem Privatleben zu verraten – in der Umfrage «Steuersünder, Don Juans, Neider – wie tickt die Schweiz?». Die Fragen orientierten sich an den sieben Todsünden.

Die Frage, wie oft jemand dieses Jahr bei der Arbeit geschwänzt hat, stand zum Beispiel für das Laster der Faulheit, und die Frage nach dem Überessen stand für die Sünde der Völlerei. Ausserdem gab es ein paar Kontrollfragen, zum Beispiel nach der Anzahl Schuhe oder dem Körpergewicht. Insgesamt nahmen knapp 1500 Personen an der Umfrage teil.

Nun liegen die Resultate vor. Sie zeigen, dass die Teilnehmenden im Durchschnitt keine grossen Sünder sind. Sie bleiben im Mittel weniger als einmal pro Jahr der Arbeit fern. Sie machen fast nie aus Wut Dinge kaputt. Sie googeln sich nur dreimal pro Monat, und 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind noch nie im Leben fremdgegangen. (Manche dafür umso häufiger).

Wie Zahlen trügen

Ganz dem Klischee entsprechend, zeigten sich bei gewissen Fragen deutliche Geschlechterunterschiede: So besitzen Frauen im Mittel doppelt so viele Schuhe wie Männer, nämlich etwa 20 Paar. Bei den Passwörtern war es genau umgekehrt, da hatten Männer im Durchschnitt doppelt so viele wie Frauen (15 zu 7,5).

Je älter die Teilnehmer waren, desto seltener machten sie Dinge aus Wut kaputt. Dieser Zusammenhang war statistisch signifikant. Weniger kaputt machten auch jene, die seltener bei der Arbeit schwänzten. Und: Menschen, die öfter bei der Steuererklärung schummelten, gingen auch öfter fremd.

Die Resultate sind natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Und man sollte sie mit Vorsicht interpretieren. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Das war auch gar nicht der Anspruch. Die erhobenen Daten dienten als Anschauungsmaterial – für eine Diskussion darüber, wie Zahlen uns hinters Licht führen können. Im Hörpunkt zum Thema Zahlen erklärte der Psychologe Jörg Hupfeld einige Fallstricke im Umgang mit Zahlen (siehe Audio oben).

Die Resultate im Überblick:

Insgesamt haben 1496 Personen an der Umfrage teilgenommen. Deutlich in der Mehrheit waren Männer, nämlich 902 Teilnehmer. 583 waren Frauen und 11 Teilnehmende machten keine Angaben zum Geschlecht.
345 der Teilnehmenden kamen aus dem Kanton Zürich, 256 aus dem Kanton Bern, 138 aus Luzern, 135 aus dem Kanton Aargau. Aber auch in allen anderen Schweizer Kantonen haben Leute an der Umfrage teilgenommen.

  • Faulheit: Wie oft haben Sie dieses Jahr schon bei der Arbeit geschwänzt?
    Hier lag der Mittelwert bei 0,62.
    Signifikante Geschlechterunterschiede waren keine zu beobachten.
  • Neid: Wie oft waren Sie in den letzten vier Wochen auf jemanden so richtig neidisch?
    Mittelwert: 1,82
    Signifikanter Geschlechterunterschied:
    Frauen: 2,20
    Männer: 1,58
  • Wollust: Wie oft sind Sie in Ihrem Leben schon fremdgegangen?
    Mittelwert: 2,30
    Signifikanter Geschlechterunterschied:
    Frauen: 1,52
    Männer: 2,83
  • Zorn: Wie oft haben Sie in diesem Jahr aus lauter Wut etwas kaputtgemacht?
    Mittelwert: 0,71
    Signifikante Geschlechterunterschiede waren nicht zu beobachten.
  • Völlerei: Wie oft haben Sie sich in den letzten vier Wochen überessen?
    Mittelwert: 3,59
    Signifikanter Geschlechterunterschied:
    Frauen: 4,20
    Männer: 3,18
  • Geiz: Wie oft haben Sie in Ihrem Leben schon bei der Steuererklärung geschummelt?
    Mittelwert: 2,23
    Signifikanter Geschlechterunterschied:
    Frauen: 1,76
    Männer: 2,56
  • Eitelkeit: Wie oft haben Sie sich im vergangenen Monat selbst gegoogelt?
    Mittelwert: 3,04
    Signifikante Geschlechterunterschiede waren nicht zu beobachten.