Blutgrätsche & Co: Wann ist Fussball am gefährlichsten?

Wenn es an einer Meisterschaft um einfach alles geht, sind Zusammenstösse vorprogrammiert. Ein Gehacke mit Gesetzmässigkeiten: Eine Studie hat anlässlich der letzten drei Fussball-Weltmeisterschaften alle Verletzungen analysiert. Und dabei Interessantes festgestellt.

Der japanische Verteidiger Konno foult Stürmer Ramos aus Kolumbien beim WM-Gruppenspiel am 24. Juni 2014.

Bildlegende: Harte Gangart: Verteidiger Konno (Japan) foult Stürmer Ramos (Kolumbien) bei der letzten WM. Reuters

WM 2014: Frankreichs Stürmer Giroud donnert seinen Schuh unfreundlich an den Kopf des Schweizer Verteidigers Von Bergen – die Folge: Von Bergen zieht sich einen Bruch der unteren Augenhöhle zu; für ihn ist die WM gelaufen.

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Schweiz-Frankreich: Foul an Von Bergen

0:31 min, aus FIFA WM 2014 live vom 20.6.2014

Die Liste ist lang und nicht abschliessend: Khedira, Boateng, Müller, Martins Indie, Coentrao, Eto'o – allesamt Spieler, die aus den Partien der letzten WM Verletzungen davongetragen haben.

Die Statistik der Blessuren

Warum trifft es wen? 2013 haben Ärzte aus Schweden und Finnland in einer Studie die Verletzungen bei den drei Fussball-Weltmeisterschaften 2002, 2006 und 2010 in Kombination mit dem Spielstand untersucht und daraus die Risiken ermittelt.

Das grösste Verletzungsrisiko im Spielverlauf besteht demnach für das Team, das gerade führt: mit einer Verletzungsrate von 81 auf 1000 Spielstunden. Für Mannschaften im Rückstand lag dieser Wert nur bei 55,5 und bei Gleichstand bei 59,7.

«  Gerade bei Weltmeisterschaften neigten die Teams im Rückstand zu vermehrter Aggressivität. »

Die Erklärung der Ärzte: Gerade bei Weltmeisterschaften neigten die Teams im Rückstand zu vermehrter Aggressivität. In einem Duell sei zudem der Angegriffene gefährdeter als der Angreifer.

Folgerichtig ist die gefährlichste Position die des Stürmers. Durch Blutgrätschen, Ellbogenchecks und andere versteckte Tätlichkeiten kommen sie auf eine Verletzungsrate von 85,7 auf 1000 Spielstunden.

Rätselhaftes in den Zahlen

Zugleich lieferten die Analysen neue Einsichten: Bei Gleichstand trugen Stürmer ein massiv höheres Verletzungsrisiko (73,6) als wenn ihre Mannschaft am Verlieren (13,7) oder am Gewinnen (11,2) war. Dass der Wert bei Gleichstand hoch ist, leuchtet ein – aber der niedrige Wert bei Rückstand liess die Forscher staunen.

So wie auch der Einfluss der Pausen zwischen den Einsätzen: Die Verletzungsgefahr der Spieler stieg insgesamt, wenn zwischen den Matches mehrere Tage lagen. Leidet in dieser Phase die Konzentration? Sind die Spieler besser regeneriert und gehen dann noch härter zur Sache? Diese Fragen wollen die Ärzte mit weiteren Analysen noch beantworten.