Homo naledi: Tarzan mit geschickten Händen

Homo naledi war offenbar ein besonderer Vorfahr des modernen Menschen: Knochenanalysen ergaben, dass seine Hände und Füsse ideal waren, um in Bäumen zu schwingen – doch gleichzeitig lief der Frühmensch bereits aufrecht und benutzte Werkzeuge.

Vorder- und Rückseite des Skeletts einer Erwachsenenhand:

Bildlegende: Diese Hände konnten Werkzeuge benutzen: Besonders der lange Daumen ist ungewöhnlich für einen Frühmenschen. Peter Schmid

Vor einem Monat wurde der Urmensch Homo naledi der Öffentlichkeit vorgestellt – mit vielen Fragezeichen zu seiner Zugehörigkeit im Stammbaum des Menschen. Hunderte von Knochen waren in einer Höhle in Südafrika gefunden worden, darunter eine komplette Hand und ein Fuss. Die Ergebnisse der Analyse der Hand- und Fussknochen haben Forscher nun in zwei Publikationen im Wissenschaftsjournal «Nature communications» veröffentlicht.

Besonders erstaunt hat die Forscher demnach die Anatomie der Hand. Der Knochen des Handgelenks und vor allem der lange Daumenknochen ähneln den Händen von Neandertalern und dem heutigen Menschen. Offenbar konnte der Homo naledi bereits fest zugreifen und Steinwerkzeuge bedienen.

Gleichzeitig seien die Fingernkochen stärker gebogen als bei den meisten älteren menschlichen Fossilien, etwa beim Urmenschen Lucy, heisst es in der Studie über die Hand des Urmenschen. Die Forscher nehmen an, dass Homo naledi seine Hände benutzte, um in Bäumen zu klettern.

Mischung aus Mensch und Affe

Diese Mischung aus menschenähnlichen und primitiven Merkmalen fand ein weiteres Forscherteam auch in den Fussknochen, wie es in der Studie über den Fuss heisst.

Nachbildung des Gesichtes von Homo naledi

Bildlegende: Homo naledi: Wie und wann dieser primitive Vertreter der Gattung Homo gelebt hatte, versuchen Forscher derzeit zu ergründen. National Geographic

Auch die gerundeten Zehenknochen des Homo naledi könnten ihm beim Klettern in Bäumen geholfen haben. Sein Fussbogen hingegen war flach – das zeugt davon, dass er sich vor allem aufrecht und auf zwei Beinen fortbewegte.

«Man kann sich vorstellen, das er Zeit in den Bäumen verbrachte, um Früchte zu pflücken», sagte der Studienleiter William Harcour-Smith gegenüber der britischen Zeitung «Guardian». «Vielleicht nistete er auch in den Bäumen – oder brachte sich dort vor Raubtieren in Schutz.»

Bisherige Forschungsergebnisse ergaben: Der Urmensch hatte ein winziges Gehirn von der Grösse einer Orange und einen grazilen Körperbau. Er wurde im Schnitt etwa 1,50 Meter gross und wog um die 45 Kilogramm.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Homo naledi: Wie Peter Schmid eine neue Menschenart entdeckte

    Aus Einstein vom 1.10.2015

    Peter Schmid ist Urmenschenforscher aus Leidenschaft. Er war an vorderster Front mit dabei, als der Homo naledi entdeckt wurde. Schmid hat jeden einzelnen Knochen fein säuberlich bestimmt – und es geschafft, aus 24 Fragmenten einen Schädel zusammenzusetzen. Ein Trip in die Welt des Schweizer Indiana Jones.