Kein Ausweichen: Klimawandel verkleinert Lebensraum für Hummeln

Der Lebensraum der Hummeln hat sich drastisch verkleinert. Verantwortlich sind weder intensive Landwirtschaft noch Insektenschutzmittel – sondern die Erderwärmung. Dennoch wandern die Insekten nicht in den kühleren Norden ab. Forscher schlagen gezielte Umzugsaktionen vor.

Die südliche Grenze der Verbreitung der meisten Hummelarten in Europa und Nordamerika liegt inzwischen bis zu 300 Kilometer nördlicher als noch vor 100 Jahren. Das berichten Forscher im Fachmagazin «Science». Allerdings hätten sich die Hummeln nicht in den Norden ausgebreitet – ihr Lebensraum schrumpft also.

Das Team um Jeremy Kerr von der kanadischen University of Ottawa macht die Evolution dafür verantwortlich: Viele andere Insektenarten hätten ihren Ursprung in den Tropen und könnten mit der Erwärmung umgehen. Die Hummeln stammen hingegen aus der nicht-tropischen Paläarktis.

Warum die Insekten nicht in den kühleren Norden ausweichen, können die Wissenschaftler noch nicht erklären.

Kerr fordert Strategien, um Hummeln bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Vorstellbar sei etwa die gezielte Umsiedlung von Tieren in nördlicher liegende Regionen.

Dass Pestizide für die Verkleinerung des Lebensraumes verantwortlich sind, schliessen die Wissenschaftler aus. «Hummeln verschwinden genauso wahrscheinlich in warmen, südlichen Gebieten, wenn es dort nur wenig Landwirtschaft gibt und keine Pestizide benutzt werden», so Kerr. Zudem habe der Rückzug der Hummeln aus dem Süden bereits vor dem Einsatz der Insektenschutzmittel begonnen.

Die Studie

Für den Zeitraum von 1901 bis 2010 werteten die Forscher rund 420'000 Daten von insgesamt 67 europäischen und nordamerikanischen Arten aus: Sie erfassten das Vorkommen der Hummeln bis 1975 und verglichen es mit ihrer aktuellen Verbreitung. Das Ergebnis: Ihr Lebensraum wurde rund 2,5 Grad wärmer - und doch zogen die Hummeln nicht nordwärts.

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