Ist das Turiner Grabtuch echt?

Die öffentliche Präsentation des Turiner Grabtuches im Jahr 1933 jährt sich am 24. September zum 80. Mal. Doch die Frage, ob es Jesu Leichnam wirklich bedeckt hat, ist bis heute ungeklärt.

Fotografie des Grabtuches von Turin. Es ist sepiafarben und man sieht verschiedene Abdrücke.

Bildlegende: Sepiafarben: Das Tuch ist 4,3 Meter lang und 1,1 Meter breit. Es befindet sich seit dem 15. Jahrhundert in Turin. Keystone

Weisse Konturen eines Gesichtes auf dem Negativ des ersten Bildes des Turiner Grabtuches.

Bildlegende: Gut erkennbar: Das Negativ des ersten Fotos vom Grabtuch zeigt das Gesicht eines Mannes. Keystone

Es bewegt die Gemüter seit mehr als einem Jahrhundert: das Turiner Grabtuch. Es soll aus dem Stoff bestehen, in dem der Leichnam von Jesus Christus vor der Auferstehung gehüllt war. Eine ganze Wissenschaft, die so genannte Sindonologie, versucht, dem Geheimnis des Tuchs auf die Spur zu kommen.

Als der Stoff 1898 zum ersten Mal fotografiert wurde, machte man eine erstaunliche Entdeckung: Auf dem Negativ des Fotos war ein Gesicht zu erkennen – eine wundersame Eigenschaft? Zudem glauben viele an die Echtheit des Tuches, weil rote Blutflecken und Wunden darauf zu erahnen sind: Sie würden mit biblischen Schilderungen übereinstimmen, behaupten die Gläubigen. Und: Ein Wissenschaftler fand Pollen auf dem Stoff, die beweisen sollen, dass das Tuch aus dem Nahen Osten stammt.

Doch gegen die Authentizität des Turiner Grabtuches spricht, dass es zum ersten Mal 1357 in Frankreich auftauchte. Von seiner Existenz vor dieser Zeit ist nichts bekannt. 1988 schliesslich schien die Radiokarbon-Datierung einer Stoffprobe den Mythos zu versenken: Das Tuch stammt demnach aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 – also lange nach der Auferstehung Jesu Christi.