Klingen Stradivaris wirklich besser?

Der Klang einer Stradivari gilt als einzigartig – reiner und klarer als bei anderen Geigen. Doch hinter ihr Geheimnis ist bis heute noch niemand gekommen. Vielleicht gibt es gar keines, mutmassten Forscher an der Pariser Sorbonne. Sie könnten recht haben.

Ruth Palmer spielt Geige vor einem roten Hintergrund.

Bildlegende: Millionen-Geige: Die britische Violinistin Ruth Palmer spielt die Stradivari «Solomon Ex-Lambert» an einer Auktion von Christie's. Reuters

Zehn Geigen-Solisten wurden von den Forschern zum Vorspiel gebeten. Die Musiker sollten zwölf Violinen spielen. Sechs waren neu, die anderen alt – fünf davon stammten vom berühmten italienischen Geigenbauer Antonio Giacomo Stradivari. Die Solisten spielten die Instrumente an zwei Orten: in einem Proberaum und in einem grossen Konzertsaal, jeweils für 75 Minuten. Dabei trugen sie lichtdichte Brillen, damit sie die Instrumente nicht sehen konnten.

Nach dem Spiel sollte sich die Musiker entscheiden, mit welcher der zwölf Violinen sie ihre momentane Konzert-Geige ersetzen würden.

Das Ergebnis wurde nun im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlicht: Sechs der zehn Violinisten wählten eine der neuen Geigen. Vor allem eine erwies sich als deutlicher Favorit. Und fast alle Solisten fanden die gewählte Geige in Artikulation und Ansatz besser und in der Klangfarbe zumindest ebenbürtig mit ihrer bisherigen Lieblingsgeige. Auch das Alter der Instrumente konnten die Musiker nicht einschätzen – sie lagen nicht besser, als wenn sie eine Münze geworfen hätten.

Doch selbst, wenn sie also gar nicht so gut klingen wie ihr Ruf – als Kapitalanlage und Statussymbol eignen sich die begehrten Stradivaris noch immer. Doch das könnte sich vielleicht bald ändern.

Über 1000 Instrumente baute der grosse Meister Antonio Stradivari zu seinen Lebzeiten (1648 bis 1737) in seiner Wekstatt im italienischen Cremona. Heute gibt es weltweit schätzungsweise noch 300 der begehrten Instrumente.