Kommen die Wisente wieder?

Einst zogen sie massenhaft durch weite Teile Europas, doch heute leben kaum Europäische Bisons in freier Wildbahn. Das soll sich ändern – durch Auswilderungsprojekte. Doch der Erfolg ist ungewiss.

Vier mächtige Wisent-Kühe kauern in ihrem Gehege im Tierpark Goldau am Boden.

Bildlegende: Gesellige Tiere: Vier mächtige Wisent-Kühe in ihrem Gehege im Tierpark Goldau. Keystone

Den Wisent wieder an das Leben in der Wildnis gewöhnen: Das wollen Tierschützer und Biologen zum Beispiel nahe Bad Berleburg im deutschen Nordrhein-Westfalen. Seit April 2013 streift dort eine Herde durchs Land – ohne Zaun und auch ohne Scheu vor Menschen, die immer wieder von faszinierenden Begegnungen mit den massigen Tieren berichten.

Leider, wie die Organisatoren feststellen. Zwar wurde vor einem Jahr das erste wilde Wisentkalb seit Menschengedenken geboren, doch den Tieren mangelt es an Wildheit. Sie waren auf die Auswilderung vorbereitet worden; sogar einen Fluchtreflex trainierten die Biologen ihnen an – doch das Generationen lange Leben in Gefangenschaft zum Schutz der Art hat offenbar stärkeren Einfluss als gedacht.

Ursprünglich waren die Fachleute auch davon ausgegangen, dass die Tiere einfach in den Wäldern der Region verschwinden würden – auffindbar nur mit Hilfe ihrer Halsbänder mit GPS-Sendern. Ob das noch geschehen wird, ist offen. Frühestens im kommenden Jahr wollen die Biologen entscheiden, wie es weitergeht. Und ob die Wisente draussen bleiben oder wieder hinter Gatter kommen.

Europas grösstes Landsäugetier

Wisente werden bis zu einer Tonne schwer. Trotzdem können sie bis zu 60 Stundenkilometer laufen. Als Pflanzenfresser bevorzugen sie Mischwälder als Lebensraum. Sie leben in Herden, die von einer Leitkuh angeführt werden. Ältere Bullen sind Einzelgänger. Vor 90 Jahren war die Art fast ausgestorben.