Sind Bienen wirklich fleissig?

Bienenfleissig – ein Lob vom Lehrer oder Chef. Doch sind die Bienen wirklich so unermüdlich, wie der Mythos meint? Die Wissenschaft sagt: Nein, Fleiss wäre für Bienen sogar riskant.

Bienen in der Wabe.

Bildlegende: Bestäuber und Honiglieferanten: Die unermüdliche Arbeit an den Blüten und in den Waben hat den Bienen ihren Ruf eingebracht. Keystone

Unermüdlich und bis zum Gehtnichtmehr: So schuften Bauersfrauen, Chefs und vor allem Honigbienen. So will es der Mythos; schliesslich gilt Fleiss als hohes Gut. Wie gut, dass das die Bienen nicht wissen. Was die dazu sagen würden? «Wir sind doch nicht blöd!» Denn sie folgen einem Grundprinzip für jedes Lebewesen, das sich in der Evolution über Jahrtausende durchgesetzt hat: Man tue nur so viel wie nötig.

Bienen sind einfach nur effizient. Sie arbeiten genau so viel, dass ihr Volk seine Gene an die nächste Generation weitergeben kann. Fleiss wäre da keine lohnende Kategorie – weder im Aussendienst beim Pollensammeln noch im Innendienst beim Wabenbau oder bei der Fütterung der Jungbienen. Fleiss hiesse nämlich: Dranbleiben bis zur allerletzten Sekunde, um möglichst viel zu schaffen.

Da sind die Bienen schlauer. Sie wissen, was auch erfahrene Senioren gern mit einem Seufzer monieren: «Es dankt Dir am Schluss ja doch keiner.» Im Gegenteil: Ein Bienenvolk, das 20 Kilo Honig im Stock angehäuft hat, den es gar nicht braucht, geht unnötige Risiken ein: Sammelbienen werden von gefiederten Feinden verspeist, verunfallen, sterben vor Erschöpfung oder erfrieren. Ihr Bienenvolk hätte also grosse Kosten, ohne einen Nutzen davon zu haben – und überlässt den Bienenfleiss deshalb gerne den Menschen.