Warum gibt es im Süden mehr Giftschlangen?

Gedanken an den bevorstehenden Urlaub lösen bei vielen Leuten nicht nur Glücksgefühle aus: Viele fürchten sich vor giftigen Tieren an ihren Reisedestinationen, zum Beispiel Schlangen. Doch warum gibt es in südlicheren Ländern eigentlich so viele giftige Arten?

Zusehen ist ein grünlicher Inlandtaipan der von einer Hand gehalten wird.

Bildlegende: Die giftigste Schlange der Welt: Das Gift des Inlandtaipans enthält unter anderem Nervengift und Substanzen, die die Blutgerinnung stören. Reuters

Rund 400 Giftschlangen-Arten leben auf der Erde – die giftigsten Zehn von ihnen sind in Australien beheimatet, einem warmen Lebensraum, der den Bedürfnissen wechselwarmer Arten entgegenkommt.

Diese Vielfalt führt zu einer verschärften Konkurrenz untereinander, denn die Arten müssen Biotop und Beute miteinander teilen – das grösste Stück vom Kuchen bekommen die fittesten Räuber. Die Opfer wiederum schützen sich, indem sie Resistenzen gegen deren Gifte entwickeln. Die Folge ist ein evolutives Wettrüsten: Das Gift muss immer stärker werden.

Auch wir produzieren Gegengifte

Dennoch enden selbst Bisse von hochgiftigen Schlangen in Australien nur für wenige Menschen tödlich: Von den Opfern der rund 3'000 Bisse pro Jahr sterben nur zwei bis drei. Das liegt daran, dass auch der Mensch am Wettrüsten teilnimmt – nicht mit seinem Körper, sondern mit seiner Intelligenz.

Für die meisten Schlangengifte haben Laborforscher mittlerweile Gegengifte entwickelt, so genannte Antivenine. Weil sie jeweils nur gegen das Gift einer Art oder sehr nah verwandter Arten helfen, sind die Gegenmittel meist für den schnellen Einsatz konzipiert: ein Mix aus verschiedenen Wirkstoffen gegen Gifte der Schlangen, die in einer Region am häufigsten vorkommen.