Warum heben Hunde beim Pinkeln das Hinterbein?

Hier ein paar Tröpfchen an eine Hausmauer, dort ein Spritzer an einen Baum. Jedes Mal wird dazu das Hinterbein kräftig in die Höhe gestreckt. Ein Ritual, mit dem die Rüden nicht etwa ihr Fell trocken halten wollen, sondern ihr Territorium kennzeichnen.

Ein Hund pinkelt in einen Busch.

Bildlegende: Man(n) markiert das Revier: Dieser Mops hinterlässt seine Duftmarke. Fotolia

Die Reviermarkierung wird den männlichen Hunden zwar in die Wiege gelegt, aber sie heben ihr Bein trotzdem nicht von Geburt an. Ganz junge Rüden hocken sich noch hin zum Pinkeln. Doch sobald die Geschlechtsreife eintritt, ändert sich das. Hormone veranlassen den Hundemann zum ständigen Beinheber. Dabei hinterlässt der Rüde mit jedem Spritzer Urin seine persönliche Duftnote – eine «Das ist mein Revier»-Nachricht an alle Nebenbuhler.

Dass die Hunde dabei jedes Mal zum Beinheber ansetzen und nicht einfach auf den Boden pinkeln hat praktische Gründe. Mit erhobenem Bein platzieren sie ihre Duftmarke genau auf Hundenasenhöhe, also an bester Lage, um von Artgenossen sofort erschnüffelt zu werden. Das Bein möglichst hoch zu heben, bringt noch einen weiteren Vorteil: Je höher die Urin-Marke liegt, desto grösser war der Hund. Folglich möchte sich jeder als der Grösste verkaufen – Männer halt.

Die Damenwelt der Hunde markiert ihr Revier zwar auch, allerdings vor allem dann, wenn der Eisprung bevorsteht. Damit signalisieren sie den Rüden ihre Läufigkeit. Die Weibchen gehen das – im Gegensatz zu den Rüden – meistens ohne gymnastische Beinverrenkungen an. Sie hocken sich hin oder strecken das Bein leicht nach vorne, um zu pinkeln. Wobei auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. Denn selbst Hündinnen können zu Beinheberinnen werden. Es kommt vor, dass sie anfangen die Rüden nachzunahmen, um Dominanz zu demonstrieren – also quasi tierische Emanzipation.