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Fünfmalklug Warum wölbt sich der Duschvorhang nach innen?

Es ist jeden Morgen das Gleiche: Kaum strömt das warme Wasser aus der Duschbrause erquickend über den Körper, schon beginnen die Avancen des Duschvorhangs, die häufig in einer feucht-klebrigen Umarmung enden. Ein Phänomen, das unter anderem auf den Bernoulli-Effekt zurückzuführen ist.

Schreiende Frau in der Dusche.
Legende: Zum Schreien: Der allmorgendliche Nahkampf mit dem Duschvorhang. Keystone

Der Schweizer Daniel Bernoulli war im 18. Jahrhundert Mathematiker, Physiker und Mediziner. Er beschäftigte sich mit Strömungsphänomen und entdeckte den später nach ihm benannten Bernoulli-Effekt. Mit diesem lässt sich unter anderem der Auftrieb von Flugzeug-Tragflächen beschreiben. In der Dusche wirkt sich der Bernoulli-Effekt so aus, dass durch das warme Wasser die Luft erhitzt wird und schnell aufsteigt, weil sie sich ausdehnt. Das führt zu einem Sog von unten nach oben, der die magische Zuneigung des Duschvorhangs auslöst.

Aber das ist erst die halbe Erklärung. Denn hinge es nur mit dem warmen Wasser zusammen, würden Kaltduscher dieses Phänomen ja nicht kennen. Doch auch ihnen ist der sich wölbende Duschvorhang ein Begriff – selbst wenn der Effekt bei kaltem Wasser weniger ausgeprägt ist.

Der Grund: Auch das zu Boden rieselnde Wasser trägt seinen Teil zum Duschvorhang-Phänomen bei. Die Tropfen schiessen mit Druck aus der Brause, werden während des Fallens aber langsamer, weil die Reibung mit der Luft sie abbremst. Der Maschinenbauprofessor David P. Schmidt fand bei Computer-Simulationen heraus, dass sich dadurch ein stabiler Luftwirbel in der Dusche bildet, der Luft in die Höhe treibt. Das führt zu einem Unterdruck, dem prompt die ungeliebten Annäherungsversuche des Duschvorhangs folgen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan, Hasler
    wassertropfen würden in einem luftleeren raum zu regelrechten geschossen und alles zerstören was ihnen in den weg kommt wenn kein reibungswiderstand sich bilden könnte durch die athmosphäre. darum erreichen wassertropfen kaum mehr wie 30km/h geschwindigkeit. sonst würden die tropfen mit überschall auf den boden prasseln.
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  • Kommentar von Paul Kirchner, Bern
    Ist das wirklich wahr? In der Schule lernt man doch immer, dass Gegenstände - in diesem Fall nun ein Wassertropfen - im freien Fall auf Grund der Gravitationskraft immer schneller werden. Hier heisst es nun aber das pure Gegenteil. Widersprechen sich da Wissenschaftler selber oder wie ist das? Bitte antworten!
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    1. Antwort von Redaktion Wissen & Digital
      Sehr geehrter Herr Kirchner Das ist tatsächlich wahr. Der Grund ist die Duschbrause: Die Tropfen kommen mit so viel Tempo aus dem Duschkopf, dass sie bereits schneller sind, als sie – bedingt durch die Gravitation – im freien Fall werden würden. Dadurch ist es möglich, dass sie durch die Reibung mit der Luft ein wenig abgebremst und damit langsamer werden. Freundliche Grüsse Wissen & Digital
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    2. Antwort von Einstein, Zürich
      Gegenstände im freien Fall werden nur solange schneller, bis sich die Wirkung des Luftwiderstandes (Reibung) und die der Gravitationskraft gegenseitig aufheben. Wenn nun die Wassertropfen mit höherer Geschwindigkeit aus der Brause kommen (Druck des Wasserstrahls), werden sie durch die Luft abgebremst.
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    3. Antwort von Martin meier, Aarau
      Der Punkt ist, dass die Tropfen mit Druck aus der Duschbrause austreten. Der Druck führt zu einer bestimmten Anfangsgeschwindigkeit der Wassertropfen. Daher kann es sein, dass die Tropfen effektiv langsamer werden (hängt vom Druck ab). Allerdings ist hier mit "abbremsen" einfach der Luftwiderstand gemeint. Die Luft bremst (relativ zur aktuellen Geschwindigkeit des Tropfens) und die Gravitation beschleunigt - netto kann das noch immer zu einer Beschleunigung führen - obwohl die Luft "bremst"...
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