Wie funktionieren Schneekanonen?

Die Schweiz ist ein Wintersportmekka – dank über 7000 Kilometer Skipisten. Die weissen Hänge verdanken Skifahrer auch der Technik: 42 Prozent der Pistenflächen werden künstlich beschneit. Mit sogenannten Propellerkanonen kann schon bei einem Grad Celsius Schnee produziert werden.

Schneekanone beschneit Piste, im Gegenlicht fotografiert.

Bildlegende: Wasser- und Energieräuber: Künstliche Beschneiung benötigt grosse Mengen an Wasser und Strom. Keystone

Für Winterromantiker ist der Anblick ernüchternd: Statt zarten Flöckchen, die still herniederrieseln, bläst ein gewaltiges Gerät einen Schneesturm hinaus – begleitet von dröhnendem Lärm. Wie das funktioniert? Eine Propellerkanone, die häufigste Variante der Schneekanonen, bläst aus zwei Arten von Düsen Wasser in die Luft. Die eine Art leitet nur Wasser durch, während die andere es mit Druckluft vermischt.

Dieses Wasser-Luft-Gemisch kühlt sich in der Atmosphäre rasch ab, so dass kleine Tröpfchen gefrieren. Es entstehen Eiskristalle, auch «Keime» genannt. Mit ihrer Hilfe wird dann auch das reine Wasser aus den anderen Düsen zu Schnee verwandelt. Das Material, das dabei entsteht, ist mit Naturschnee nicht zu vergleichen, doch das Verfahren ist beliebt, weil es unter bestimmten Bedingungen schon bei 1 Grad Celsius funktioniert – geeignet also für einen «frühen» Winter.

In der Schweiz beschneit man laut Seilbahnen Schweiz mittlerweile mehr als 40 Prozent der Pistenfläche. In Österreich sind es schon 70 Prozent – und einzelne Skigebiete in Italiens Alpen bestehen gar komplett aus Technoschnee. Umweltschützer stört vor allem der Wasserverbrauch: Die Geräte – insgesamt mehr als 3000 in Europa – verbrauchen pro Jahr und Hektar jeweils bis zu eine Million Liter Wasser. Genug, um sensible Flüsse und Bäche der Bergwelt gründlich auszudünnen.

Diesen Artikel haben wir schon einmal publiziert und jetzt aus aktuellem Anlass in überarbeiteter Form noch einmal veröffentlicht.