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Fünfmalklug Wie schädlich sind Schleppnetze?

Seit Jahren ist sie in Verruf, doch sie wird unvermindert betrieben: Fischerei mit Schleppnetzen am Meeresgrund. Nun haben Forscher die Auswirkungen in der Tiefsee mit einer vergleichenden Studie unter die Lupe genommen.

Ein Schleppnetz, in dem sich nach einem Fischzug in der Nordsee viele Seezungen verfangen haben.
Legende: Hochentwickeltes Fanggerät: Die Maschen von Schleppnetzen sind auf die gejagte Art abgestimmt. Im Bild: Seezungen bei einem Fischzug in der Nordsee. Reuters

Laut Untersuchungen des Instituts für Meeres-wissenschaften in Barcelona haben Schleppnetze massive Folgen für das Leben am Boden der Tiefsee. Das Forscherteam untersuchte den 40 Kilometer langen Untersee-Canyon La Fonera vor der Nordostküste Spaniens. Die Schleppnetz-Fischerei findet dort fast nur entlang der Nordseite des Canyons statt; die Südseite wird nur selten so befischt.

Der Vergleich der beiden Tiefseezonen zeigte, dass das Sediment am Meeresgrund in den mit Schleppnetz befischten Gebieten deutlich weniger organisches Material enthält und eine geringere Meiofauna – also kleine Bodenlebewesen – aufweist. Auch die Artenvielfalt war dort laut den Meeresforschern geringer. So kamen zum Beispiel weniger Fadenwurm-Spezies vor.

Die Aufnahmen zeigen einen kahlen felsigen Meeresboden nach dem Einsatz von Grundschleppnetzen.
Legende: Vorher und nachher: Spuren von Grundschleppnetzen, wo vorher Tiefseekorallen gelebt hatten. Gewin V: Troubled Waters: The Future of Global Fisheries. PLoS Biol.

Die Fischerei mit Grundschleppnetzen ist ein Verfahren, das seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt verbreitet ist. Diese Netze kommen unter anderem für den Fang von Schollen, Seezungen und anderen Grundfischen zum Einsatz. Betroffen ist vor allem der Nordatlantik; aber auch die Nord- und Ostsee, wo auf diese Weise Garnelen und Krabben gefischt werden.

Grundschleppnetze

Sie bestehen aus einem trichterförmigen «Fangsack», der von einem oder mehreren Schiffen gezogen wird. Die maulartige Öffnung des Netzes wird über Gewichte und Schwimmkörper erzeugt. Bei Scherbrett-Grundschlepp-netzen ziehen zwei seitliche Scherbretter das Netz auseinander; sie können Furchen in den Boden ziehen und wirbeln viel Sediment auf.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Claus Ubl, Hamburg
    Hier werden Ergebnisse aus der Tiefsee einfach auf die Nordsee übertragen. Die Garnelenfischerei in der Nordsee findet in einem Gebiet statt, in dem Strömung und Seegang den Boden ständig stark beeinflussen. Das kann man leicht nachvollziehen, indem man zwei Seekarten unterschiedlichen Jahrgangs nebeneinanderlegt: Die Wassertiefen an einem Ort verändern sich in der Größenordnung von Metern von einer Vermessung zur nächsten. Wie soll dort die Garnelenfischerei den Boden nennenswert beeinflussen?
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  • Kommentar von Diana Naindenel, Uesslingen
    Diese Netzte sollten schon lange verboten werden. Man weiss um die Schäden, die sie verursachen, keinen kümmert es jedoch... Nach dem Motto "Es hät solang's hät"....Nach uns die Sintflut, oder?!
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