Woher kommt die Frühlingswonne? (Teil 2)

Frühling, hach! Alle Welt zieht es in die Natur; man möchte juchzen und durch Blumenbeete hüpfen. Aber woher kommt die sonnige Laune eigentlich? Antworten aus drei Forschungsgebieten. Diesmal: Endokrinologie.

Ein Mann mit nacktem Oberkörper macht im Frühling auf einer Wiese am Zürichsee einen Handstand.

Bildlegende: Energieschub nach dem Winter: Frühlingsgefühle bringen viele Zeitgenossen dazu, sich in der Sonne auszutoben. Keystone

Sonnenstrahlen verändern unseren Hormonhaushalt, wie seit langem bekannt ist. Einen besonders starken Einfluss auf unsere Laune haben das Schlafhormon Melatonin und das Glückshormon Serotonin, sagt Helmut Schatz, Sprecher der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Dieses Fachgebiet umfasst die Lehre von den Hormonen sowie ihren Einfluss auf den Stoffwechsel.

Wenn es früher hell wird und die Sonne stärker scheint, so erläutert Schatz, fällt mehr Licht aufs Auge. Dadurch bekommt die sogenannte Zirbeldrüse im Gehirn den Befehl: Produktion von Melatonin herunterfahren! «Also sind wir munterer», sagt Schatz. Ein weiterer Effekt wirkt in dieselbe Richtung: Zugleich steigt bei Sonnenlicht auch die Bildung von Serotonin im Körper.

Zudem hat laut dem Fachmann auch die Frühlingswärme einen positiven Einfluss auf das Gemüt. Doch der Umkehrschluss gilt nicht, warnt Schatz: Kälte führe nicht automatisch zu schlechterer Laune: «Denken Sie an einen schönen Wintertag, wenn es minus fünf Grad hat – da fühlen Sie sich auch wohl, wenn sie vor der Skihütte in der Sonne sitzen.»

Die Zirbeldrüse

Das grau-rötliche Organ sitzt im Zwischenhirn. Im Durchschnitt wiegt es 100 Milligramm. In der Zirbeldrüse wird Melatonin produziert, überwiegend in der Nacht. Dieses Hormon ist auch daran beteiligt, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu steuern. Ist die Funktion der Zirbeldrüse gestört, kommt es zu einem gestörten Tagesrhythmus oder weiteren Problemen.