Gefährliche Fremdlinge in unseren Gewässern

Wie bei einer Invasion fallen sie ein, verdrängen einheimische Lebewesen und stellen das Ökosystem auf den Kopf – sogenannte invasive Arten. Wir stellen eingewanderte Tiere vor, die in Schweizer Gewässern Probleme machen: Wer sie sind, woher sie kommen und wie sie Schaden anrichten.

    • 1.
      Goldfisch
      Ein Goldfisch in einem Aquarium

      Bildlegende: Goldfisch In Gewässern ausgesetzt, fressen sie ihre Umgebung kahl. Imago

      Jeder kennt ihn als Zierfisch im Aquarium: Doch illegal in Teichen und Seen ausgesetzt, frisst der aus Ostasien stammende Goldfisch (Carassius auratus auratus) alles weg ─ von Pflanzen über Insektenlarven bis zu Amphibien-Eiern und Kaulquappen. Einheimische Laubfrösche oder Kammmolche sterben deshalb an manchen Orten aus. Die verwilderten Goldfische zu bekämpfen, ist schwierig und aufwändig: Oft sind es so viele, dass ganze Gewässer trockengelegt werden müssen, um sie auszurotten.

      Bildquelle: Imago
    • 2.
      Bisamratte
      Bisamratte frisst am Ufer Gras

      Bildlegende: Bisamratte Ursprünglich aus Nordamerika, fühlen sich die Nager heute auch bei uns zu Hause. Imago

      Vor gut 100 Jahren wurde der Nager aus Nordamerika nach Europa eingeführt ─ für die Pelzproduktion. Als die Pelzfarmen geschlossen wurden, entliess man die Tiere massenhaft in die Freiheit. Weil sie bei uns kaum Feinde haben und sich schnell fortpflanzen, verbreiten sich die Bisamratten (Ondatra zibethicus) ungestört. Sie fressen einheimische Muscheln und bedrohen so deren Existenz. Wenn sie ihre Erdhöhlen graben, beschädigen sie zudem Ufer und Dämme.

      Bildquelle: Imago
    • 3.
      Signalkrebs
      Ein Signalkrebs am Gewässergrund

      Bildlegende: Signalkrebs selber immun dagegen, überträgt er die Krebspest, an der einheimische Arten sterben Patrick Steinmann

      Dieser nordamerikanische Flusskrebs wurde ab den 1960er-Jahren nach Europa gebracht, um einheimische Edelkrebse zu ersetzen, die an der Krebspest verendeten. Der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) ist nämlich resistent gegen diese Pilzkrankheit. Man wollte so gesunkene Erträge ausgleichen und die Lücke im Ökosystem schliessen. Leider wurde zu spät erkannt, dass der Signalkrebs und andere eingeführte Arten diese Krankheit übertragen und weiter verschleppen. Weil der Signalkrebs auch ausserhalb des Wassers grössere Distanzen zurücklegen kann, erobert er immer neue Lebensräume. Dort steckt er weitere einheimische Krebse mit der tödlichen Krankheit an.

      Bildquelle: Patrick Steinmann
    • 4.
      Rotwangen-Schmuckschildkröte
      Eine Rotwangen-Schmuckschildkröte sonnt sich auf einer Wurzel

      Bildlegende: Rotwangen-Schmuckschildkröte Schön anzuschauen, aber eine Gefahr für einheimische Ökosysteme Imago

      Diese Schildkröten aus dem Mississippi-Tal in den USA sind als Haustiere um die Welt gereist ─ auch in die Schweiz. Hier gelangen die Reptilien in die freie Wildbahn, wenn die Besitzer sie illegal in heimischen Gewässern «entsorgen». Dort vertilgen die gefrässigen Tiere unter anderem Amphibien-Eier und Kaulquappen. Zudem machen die Exoten den seltenen heimischen Wasserschildkröten die Sonnenplätze streitig. Zwar können sich die amerikanischen Schmuckschildkröten (Trachemys scripta) in unserem Klima nicht vermehren. Doch da sie mehr als 30 Jahre alt werden und kaum natürliche Feinde haben, sind sie trotzdem ein grosses Problem.

      Bildquelle: Imago
    • 5.
      Grosser Höckerflohkrebs
      Nahaufnahme eines Höckerflohkrebses

      Bildlegende: Grosser Höckerflohkrebs als blinder Passagier mit Schiffen in die Schweiz gelangt, bildet er hier riesige Kolonien. Patrick Steinmann

      Trotz seines Namens: Der Grosse Höckerflohkrebs misst nur gerade zwei Zentimeter. Er stammt aus den Flüssen der Schwarzmeer-Region. Mit dem Schiffsverkehr muss es gegen Ende der 1990er-Jahre in den Rhein und von dort in weitere Schweizer Gewässer gelangt sein. Hier hat sich der Grosse Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) rasant ausgebreitet. Er bildet Kolonien von hunderten bis tausenden Tieren pro Quadratmeter und bedroht einheimische Arten, indem er sie erbeutet oder ihnen das Futter wegfrisst.

      Bildquelle: Patrick Steinmann
    • 6.
      Wander- oder Zebramuschel
      Nahaufnahme einer Wandermuschel

      Bildlegende: Wander- oder Zebramuschel Wer beim Baden auf ihre dreikantigen Schalen tritt, kann sich übel verletzen. Patrick Steinmann

      Wandermuscheln (Dreissena polymorpha) sind in der Gegend zwischen dem Schwarzen Meer und dem Aralsee in Zentralasien zu Hause. Im 19. Jahrhundert gelangten sie nach Mitteleuropa ─ vermutlich als heimliche Schiffs-Passagiere. Die schnell wachsenden Wandermuschel-Kolonien futtern hier viel Nahrung weg. Sie kämpfen mit unseren Muschelarten um Platz, setzen sich auf sie und erschweren so deren Fortbewegung und Wachstum. Als frei schwimmende Larven erobern Wandermuscheln immer neue Lebensräume. Sie gelangen so auch in Wasserleitungen und Filtersysteme, die sie als erwachsene Tiere dann verstopfen.

      Bildquelle: Patrick Steinmann

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