Miniseilbahnen: Lebensader der Älpler

Für rund 35 Familien und Alpbetriebe im Urnerland sind Miniseilbahnen der Lebensnerv. «Einstein»-Moderator Tobias Müller besuchte mehrere der kleinen «Bähnli» und ihre Benutzer. Ein Abenteuer, das bleibenden Eindruck hinterlassen hat, wie der Moderator hier erzählt.

Unter mir geht es 60 Meter tief in den Abgrund. Ich sitze in einer knapp 2 Quadratmeter grossen Holzkiste, die während der Fahrt ein knarrendes Ächzen von sich gibt. Eine typische Miniseilbahn. Oben angekommen, treffe ich Familie Eberli. Ihr Hof liegt hoch über dem Urnersee auf einem Plateau. Einen befahrbaren Weg zu ihnen sucht man vergebens. Die 7-köpfige Familie kann hier nur leben, weil sie dank der Miniseilbahn nicht ganz von der Aussenwelt abgeschottet ist. «Ohne die Bahn hätten wir diesen Hof wohl gar nicht erst übernommen», erzählt Hausherr Thomas Eberli. Wichtig ist die Miniseilbahn vor allem für die Kinder, deren Schulweg täglich damit beginnt.

Miniseilbahn.

Bildlegende: Abenteuer Miniseilbahn: Tobias Müller mit Heidi Eberli und zweien ihrer Sprösslinge vor der Abfahrt in die Obere Bärchi. SRF

Familie Eberli ist keine Ausnahme. Noch heute werden allein im Kanton Uri rund 40 Miniseilbahnen betrieben. Der Weg zu einer weiteren führt nach Unterschächen und dort über einen holprigen Kiesweg nach Aesch. Hier oben, auf rund 1'200 Meter über Meer, treffe ich Klaus Kempf bei der Aesch-Oberalp-Bahn. Er ist einer von 4 Landwirten, denen diese Bahn gehört.

Ohne Seilbahn kein Alpbetrieb

Jetzt, im Sommer, ist die Bahn für das Alpgebiet unverzichtbar. Sperriges Material, Proviant und sogar die Schweine führen Klaus Kempf und die anderen Älper nach Oberalp. Seit 56 Jahren verbringt er jeden Sommer auf der Oberalp. Mit dabei auch die Familie samt Tieren vom heimischen Hof. So wird die Oberalp zur Sommer-Residenz der Kempfs.

Einmal oben sorgen Kempf und die anderen Älpler dafür, dass die Weiden nutzbar bleiben und – im Gegensatz zu vielen anderen Alpen – die Verwilderung nicht überhand nimmt.

Touristen verhindern ein Defizit in der Kasse

Die Bahn Aesch-Oberalp ist nur während rund 50 Tagen im Jahr in Betrieb. Trotzdem müssen sich die Besitzer ständig um den Unterhalt kümmeren. Heute wechselt Klaus Kempf das Öl des Antriebsmotors. «Die Vorschriften sind strikt und jedes Jahr nimmt das Interkantonale Konkordat für Seilbahnen und Skilifte jede Miniseilbahn unter die Lupe», erklärt er. In Sachen Kontrolle stehen die kleinen den grossen Bahnen also in nichts nach.

Für die Unterhaltskosten kommen Kempf und die weiteren Beteiligten selber auf. Um Ende des Jahres nicht ein klaffendes Loch in der Rechnung vorzufinden, sind die Touristen im Sommer eine unerlässliche Einnahmequelle.

Attraktionen locken die Gäste an

Sie hätten in den letzten Jahren viel unternommen, um die Oberalp für den Tourismus attraktiv zu gestalten, erzählt Klaus Kempf. Vom Alpbeizli bis zu gut gepflegten Wanderwegen. Und dann wäre da noch sein Bijou: Stolz führt er mich ins historische Alphüttenmuseum, das er zusammen mit Freunden geschaffen hat.

Die Bemühungen zahlen sich aus. Jedes Jahr strömen mehr Touristen auf die Oberalp. Viele von Ihnen über den knarzenden Luftweg. Eine kleine Seilbahn mit grosser Wirkung. In Aesch-Oberalp und vielen weiteren abgelegenen Gebieten im Urnerland und der Schweiz.

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