Teuer und kompliziert

Immer noch liegt das Wrack der havarierten «Costa Concordia» vor der Küste der italienischen Insel Giglio – und das wird voraussichtlich bis Oktober 2013 so bleiben. Die schwierigen Umstände verzögern die Bergung immer wieder und gefährden dadurch die Umwelt und den örtlichen Tourismus.

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Costa Concordia: Bergung mit Schwierigkeiten

5:29 min, aus Einstein vom 17.1.2013

400 Spezialisten arbeiten seit Monaten Tag und Nacht daran, das halb versunkene Schiff abschleppfertig zu machen. Auf der Seite des Schiffs befestigte Stahlcontainer sollen dabei langsam mit Wasser gefüllt werden, um ein Gegengewicht herzustellen. Später sollen sie als Schwimmkörper dienen, um das Schiff in einen Hafen schleppen zu können. Auf 300 Millionen Euro schätzen die Experten die Kosten der Bergung. Anfangs war mit 230 Millionen gerechnet worden.

Erst Anfang November 2012 – über zwei Monate später als geplant – gelang es, das Wrack des gekenterten 290-Meter-Kolosses durch eine Unterwasserplattform abzustützen. Dadurch kann das Schiff nun nicht mehr in tiefes Wasser abrutschen. Zuvor war der Gigant nur an einer Seite mit 16 in den Felsen befestigten Bündeln aus Stahlseilen gesichert gewesen. Schuld an der Verzögerung seien laut Experten vom Bergungsteam und dem italienischen Zivilschutz nicht zuletzt die widrige See und die schwierige Bodenbeschaffenheit. Diese hätten die Verankerung der für das Unterwasserpodest notwendigen 60 Stützpfähle im Meeresboden erschwert.

Der Touristenattraktion gehen die Besucher aus

Anfangs hatten die Inselgemeinde von Giglio und das Bergungsteam gehofft, die 290 Meter lange «Costa Concordia» noch 2012 abschleppen zu können. Dann hiess es, man werde es bis spätestens Mai 2013 schaffen. Damit wäre wenigstens die Saison 2013 gerettet gewesen. Nun rechnen die Techniker des italo-amerikanischen Bergungskonsortiums mit September oder Oktober dieses Jahres – zur grossen Sorge von Inselbewohnern und Umweltschützern.

Den Bewohnern der als Naturparadies bekannten Insel – «Il Giglio» bedeutet übersetzt «Die Lilie» – geht es mittlerweile um ihre Existenz. 30 Prozent weniger Urlauber habe man im Sommer 2012 verzeichnen müssen, klagt Gemeindesprecher Cristiano Pellegrini. Und auch die Tausenden Schaulustigen, die das Wrack in der Zwischenzeit anzog, änderten nichts an der kritischen Lage: Sie blieben meist nur für ein paar Stunden und sorgten oft für zusätzlichen Ärger. So seien fünf deutsche Jugendliche bei dem Versuch, sich dem Wrack in einem Schlauchboot zu nähern, beinahe ertrunken.

Umweltschützer sind alarmiert

Auch die Angst vor Umweltgefahren ist gross. Auf der Website der Gemeinde kann jeder, der möchte, einen Link anklicken «Notstand Costa Concordia». Die vom Umweltschutzverband Arpa geführte Seite veröffentlicht unter anderem die regelmässig kontrollierten Wasserwerte um das Wrack. «Mit jeder Verzögerung wachsen die Gefahren für die Gewässer erheblich», hatte der Sprecher des Umweltschutzverbandes Legambiente, Angelo Gentili, gewarnt. Die Umweltbehörden begleiten die Bergungsarbeiten, damit möglichst wenig von der sensiblen Meeresflora und -fauna zerstört wird.

Eine Kreuzfahrt endete mit einem nächtlichen Drama

Am 13. Januar 2012 endete vor Giglio eine vergnügliche Mittelmeer-Kreuzfahrt in einem tödlichen Drama. Die gefährlich nah an das toskanische Eiland herangefahrene «Costa Concordia» rammte erst einen Felsen und kenterte dann, am Rumpf aufgeschlitzt, unweit des Ufers. Der riskante Kurs soll gewählt worden sein, um die Insel zu «grüssen» und den Passagieren etwas zu bieten. In einer chaotisch anmutenden Evakuierungsaktion versuchten verzweifelte Passagiere die rettende Insel zu erreichen.

32 Menschen starben, darunter zwölf Deutsche. Zwei Leichen sind auch ein Jahr nach der Katastrophe noch nicht geborgen. Mehr als 4'200 Passagiere und Crewmitglieder waren an Bord des Kreuzfahrtschiffes.