Sandstaat Schweiz

Den Alpen sei Dank gibt es hierzulande ergiebige Sand- und Kiesvorkommen. Diese sind unverzichtbar für die Herstellung von Beton. 90 Prozent ihres Bedarfs kann die Schweiz mit eigenen Reserven decken. Dennoch ist die Branche unter Druck.

Sandberg vor Alpen-Panorama.

Bildlegende: Selbstversorgerin: Die Schweiz ist in Sachen Sand praktisch unabhängig vom Ausland. SRF

Die Schweiz ist im Bauboom und sie hat Glück, denn der wertvolle Rohstoff Sand kann direkt vor Ort abgebaut weden. Vorwiegend in Kiesgruben, aber kleinere Mengen stammen auch aus Schweizer Seen und Flüssen.

Die Nachfrage pro Jahr liegt bei rund 40 Millionen Tonnen. Diese hat sich seit 2009 kaum geändert (siehe Grafik unten). Schaut man 20 Jahre zurück, sieht das anders aus: 1999 lag der Bedarf noch bei rund 30 Millionen Tonnen. Wie lange die Vorkommen reichen, weiss niemand genau. Vorerst zumindest sollte der Schweiz der Rohstoff aber nicht ausgehen.

Hohe Auflagen der Schweizer Behörden

Dennoch setzen Behörden und Bevölkerung dem Sand-Abbau in der Schweiz enge Grenzen. In der Bevölkerung ist die Baustoff-Branche nicht gerade beliebt. Niemand hat gern eine Kiesgrube hinter seinem Haus. Und Behörden und Umweltverbände machen hohe Auflagen, bevor sie neue Abbau-Bewilligungen erteilen. Eine solche ist dann allerdings in der Regel 30 Jahre gültig.

Bevor jedoch eine Bewilligung erteilt wird, vergehen schnell zehn Jahre. Entsprechend langfristig müssen die Unternehmen planen und sich rechtzeitig um neue Bewilligungen kümmern. Denn diese sind ihre Existenzgrundlage. Gemäss dem Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie FSKB steht die Branche für eine Wertschöpfung von rund zwei Milliarden Franken (inklusive Betonhersteller).

Schweizer Unternehmen unterbieten sich gegenseitig

Die Baustoff-Branche steckt seit Jahren in einer Konsolidierungsphase. Noch ist sie geprägt von vielen kleinen, familiengeführten Betrieben. Doch sinkende Preise für den Rohstoff – die Schweiz hat viel Sand und die ausländische Konkurrenz drückt auf die Preise – und strenge Umweltauflagen schmälern die Margen. Viele kleine Betriebe sind dadurch zur Aufgabe gezwungen.

Die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik datieren von 2011: Damals gab es rund 260 Betriebe in der Schweiz mit 2000 Beschäftigten, die Sand- und Kies fördern (ohne Betonherstellung). Sowohl die Anzahl Betriebe als auch die Zahl der Beschäftigten dürfte seitdem stetig gesunken sein.

Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in Zukunft noch beschleunigen wird. Denn die Preise für Sand sinken aus einem anderen Grund zusätzlich: Schweizer Unternehmen unterbieten sich gegenseitig, und das trotz boomender Baukonjunktur und voller Auftragsbücher.

In diesem unerbittlichen Preiskampf können nur grosse Unternehmen überleben, die neben der Kiesgewinnung noch in weiteren Bereichen wie Hoch- und Tiefbau tätig und entsprechend breit aufgestellt sind. Denn noch spiegelt sich der wahre Wert von Sand und Kies nicht im Preis wider.

Inländischer Materialkonsum von Sand und Kies in der Schweiz

Wann ist Sand Sand?

Steine bis 4 Millimeter Durchmesser nennt der Kenner Sand. Grössere Körner werden als Kies bezeichnet.

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