Kaceo aus Genf im Finalisten-Porträt

Die schalkhaften Ska-Rocker Kaceo nehmen mit ihrem Chanson «Disque d'Or» (Goldene Schallplatte) das Musik-Business auf tiefsinnige Art auf die Schippe. Die Genfer möchten am ESC gerne das Bild einer weltoffenen und risikofreudigen Schweiz präsentieren.

Kaceo aus Genf haben im Jahr 2013 zum ersten Mal gemeinsam die Bühne betreten. Seither haben sie über 80 Konzerte gespielt und sind überall aufgetreten, von Genf über Zürich bis nach Paris. Live überzeugt die Band vor allem mit ihrem Humor, ihrer Authentizität und ihrer Lebendigkeit.

2015 veröffentlichten Kaceo die zwei EPs «Ne pas jeter» und «Déchets spéciaux». Das aktuelle Line-up besteht aus Frontmann und Sänger Nicolas Vivier, Karim Maghraoui am Akkordeon, Luis Pisconte an der Gitarre, Florian Casarsa
am Schlagzeug und Quentin Mathieu am E-Bass. Ihr Titel «Disque d'Or» nimmt das Musik-Business, bei dem es ihrer Meinung nach oft nur um die Show und selten um die Musik an sich geht, auf tiefsinnige Art auf die Schippe.

Frontmann Nicolas Vivier ist ein Vollblutkünstler. Er schreibt Bücher, fürs Theater und komponiert Musik. Bevor er seiner Berufung folgte, machte er den Master in Computerwissenschaft und arbeitet fünf Jahre in der IT-Branche. Dann realisierte er, dass das Leben zu kurz ist, um nur zu arbeiten. Jetzt konzentriert er sich auf die schönen Künste und aufs Glücklichsein.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Nicolas Vivier: Ich habe oft dem Pfeifen des Windes im Wald zugehört. Es war die erste Musik, die ich bewusst hörte. Zur selben Zeit sang Dorothe «Nicolas et Marjolaine» am TV. Das gab mir zu verstehen, dass ich mich ebenfalls in die musikalische Welt einbringen muss. Und ich begann zu lernen, wie man zu Bäumen spricht.

Chanson Dorothée: die musikalische Inspiration von Nicolas Vivier

Was war die schönste / wichtigste Erfahrung in deinem Leben?

Nicolas Vivier: Mein erstes Treffen mit Chansonnier und Schauspieler Francis Lalanne. Er sagte, dass ihn meine Songs an seine erinnerten: an diejenigen, die er in meinem Alter geschrieben hatte.

Was ist deine Lebensphilosophie?

Nicolas Vivier: Wenn du nicht weisst, wie man etwas macht, ist das Grund genug, es zu tun.

Wieso wollt ihr am ESC teilnehmen?

Nicolas Vivier: «Disque d'Or» ist der perfekte Song für den ESC. Die Story handelt vom Verkauf von Seele und Körper als Künstler – wahrscheinlich der älteste Job der Welt. Jeder Künstler verkauft seine Performance und zeigt seinen Charakter. Er interpretiert etwas, was Teil von ihm sein könnte – oder auch das Gegenteil davon. Wir tun das täglich auf der Bühne. «Disque d'Or» kritisiert niemanden, der das macht. Der Song ist eine Beobachtung über den Zustand der Kunst. Anstatt eine Botschaft oder Emotion zu übermitteln, fokussiert sich der Grossteil der Industrie auf den oberflächlichen Teil der Musik, der ihm mehr finanziellen als künstlerischen Wert bringt. Die Industrie benützt nur die erste Schicht der Musik – das Image – und den kleinsten gemeinsamen Nenner aller menschlichen Wesen – Sex. Natürlich geht es beim ESC nicht um Sex, aber es geht um den ersten Eindruck. Er ist heutzutage wichtiger als der Inhalt, wichtiger als die musikalische Qualität oder die Anstrengung. Weil es beim ESC ums Image eines Landes geht, wären wir sehr stolz, eine philosophische Ansicht der Schweiz einzubringen – verkleidet als eine Entertainment-Show. Und natürlich wären unsere Mütter sehr stolz, uns am TV zu sehen.

Welches ist dein Lieblings-ESC-Song und -Künstler?

Nicolas Vivier: Les Fatals Picards mit «L'amour à la française». Die besten ESC-Verlierer überhaupt!

Weshalb ist euer Song der Beste, um die Schweiz am ESC zu vertreten?

Unsere Band ist sehr schweizerisch, aber auch sehr multikulturell und weltoffen. Vier von fünf von uns sind Schweizer: einer mit peruanischen Wurzeln, einer mit italienischem Blut, einer mit tunesischer Herkunft, ein Franzose und einer aus dem Wallis. Wir würden eine Seite der Schweiz zeigen, welche in der üblichen internationalen Berichterstattung nicht vorkommt: Eine, die nicht hyperkonservativ ist. Die Risiken eingeht und keine «neutrale» Kunstform sucht. Nach diesem Gesichtspunkt würden wir eine junge, dynamische, innovative, spassige, kreative und stolze Schweiz zeigen.

Wie schätzt du eure Chancen ein?

Nicolas Vivier: Fünfzig-Fünfzig. Der Inhalt unseres Songs und unsere Show sind eher unüblich in der Schweizer ESC-Selektion. In den letzten Jahren gab es eher eine neutrale Pop-Auswahl (Sebalter, Takasa, Sinplus). Aber der Rest von Europa hatte sehr prägnante Kandidaten, beispielsweise Conchita Wurst und Lordi. Darin liegt unsere Chance.