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Eurovision Song Contest Von Cher bis zur orthodoxen Kirche: Die Wurst bewegt die Welt

Die österreichische Drag-Queen bringt aufgeschlossene Kreise zum Jubeln und konservative Stimmen zum Toben. Egal ob Gegner oder Fans – Wurst ist die Conchita keinem.

Legende: Video «Conchita Wurst mit «Rise Like A Phoenix» im ESC-Final» abspielen. Laufzeit 2:59 Minuten.
Vom 10.05.2014.

«Einfach faszinierend», lautet das Urteil von Sängerin Cher auf Twitter. Und Landsmann Udo Jürgens freut sich, dass sein Heimatland den Mut gehabt habe, Wurst auf dem Weg zum ESC-Finale zu unterstützen: «Das ist doch etwas anderes als die Lederhosen-Kultur.»

Legende: Video «Politiker über den Sieg von Conchita Wurst» abspielen. Laufzeit 2:07 Minuten.
Vom 12.05.2014.

Viel Lob kommt in der westlichen Welt auch von Politikern: «Es ist ein Signal, dass es in Europa eine starke Tendenz für Gleichberechtigung gegen Diskriminierung gibt», sagt der deutsche Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». Seine österreichische Partei-Kollegin Ulrike Lunacek sieht das ebenso. Sie weist aber auch darauf hin, dass in vielen Ländern gegenüber Homosexuellen noch immer eine grosse Intoleranz vorherrscht.

So etwa in Polen. Dort kritisiert der Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski
den Sieg von Conchita Wurst heftig: «Das ist ein Beweis für den Verfall des modernen Europas», so der nationalkonservative Ex-Regierungschef am Montag gegenüber dem TV-Sender TVN24.

Conchita Wurst ist der Beweis für den Verfall des modernen Europas
Autor: Jaroslaw KaczynskiPolens Ex-Regierungschef

Auch russische Politiker und die russisch-orthodoxe Kirche äussern sich voller Abscheu. «Das ist Europas Ende!», wettert der Ultranationalist Wladimir Schirinowski in einer Sendung des Staatsfernsehens. Und der Initiator des international umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes, Kommunalpolitiker Witali Milonow in St. Petersburg, twittert hasserfüllt: «Euro-Homos schmort in der Hölle». Der Kirchenfunktionär Wladimir Legojda bezeichnete den Sieg als «noch einen Schritt bei der Abkehr von der christlichen Identität der europäischen Kultur».

Legende: Video «Conchita Wurst und ihr Statement für Toleranz» abspielen. Laufzeit 0:32 Minuten.
Vom 12.05.2014.

Mehr als eine Entertainerin

Conchita Wurst selber macht keinen Hehl daraus, dass sie und ihre Kunst mehr sind, als reines Entertainment. «Wir sind unaufhaltbar», war ihre deutlich Message an die Welt nach ihrem Sieg in Kopenhagen. Später doppelt sie an einer Pressekonferenz in Wien nach: «Das war gegen einige uns bekannte Politiker gerichtet. Ich wollte denen nur sagen, dass das Gute immer gewinnt.»

22 Kommentare

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  • Kommentar von Mario Gerber, CH
    "Dreckige Wäsche waschen, in lüsternen Posen, bei banalen undefinierbaren Rhytmen", das kann wohl nicht wahr sein. Hier wird die Würde der Frau auf ein (sexuelles) Minimum degradiert. Das die Hauptakteurinnen aus Polen das mitgemacht haben, ist mehr als unverständlich. Dies scheint wohl niemandem zu stören. Das Getue um die/der Wurst scheint alles zu überschatten. Aber heute sind wir alle so tolerant und alles ist möglich. Man will sich ja nicht in ein falsches Licht stellen.
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  • Kommentar von Susanna Sieber, Basel
    wenn das eine frau mit bart wäre, wäre ich die erste, die das unterstützen würde. das hier ist aber ein MANN mit Bart in einem Frauenkleid, welcher leute, die tatsächlich mit sowas zu kämpfen haben, einfach lächerlich und dumm aussehen lässt. finde diese wurst überhaupt nicht unterstützungswert.
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  • Kommentar von Philipp Renfer, Biel
    Spannend, wie die Wurst polarisiert und die Polen... kein Wort. Welch ein machoides, frauen-verachtendes Bild dort präsentiert wird. Lasziv, zu Sex bereit, die Wäsche waschend, die Butter in orgasmischem Rhythmus schlagend. Die Frau, das Objekt - da für den Haushalt und als Sex-Spielzeug! Dies ist anscheindend das Rollenbild, das sich konservativen Regierungschefs wünschen. Na bravo - wenn im 2014 nicht DAS der eigentliche Skandal ist
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