«20'000 Days on Earth» - Gesamtkunstwerk Nick Cave

Das Künstlerpaar Jane Pollard und Iain Forsyth hat in enger Zusammenarbeit mit Nick Cave «20'000 Days on Earth» gemacht, einen Filmessay über die Kunstfigur Nick Cave. Damit ist ihnen eines der originellsten Rockumentarys gelungen.

Kreatives Chaos: Nick Cave im Nick Cave Archiv.
Bildlegende: Kreatives Chaos: Nick Cave im Nick Cave Archiv. Xenix

Der Film beginnt mit Babyschreien und rasend schnell abspulenden Filmclips von Elvis Presley bis Barack Obama. Dann klingelt der Wecker. Es ist 7 Uhr früh. Nick Cave liegt schon wach im Bett. Und dann beginnt sein 20'000. Tag auf Erden.

Ein cooler Anfang, der mich sofort packt, obwohl mich die Musik von Nick Cave and the Bad Seeds nie wirklich ansprach. Die war mir immer zu düster und abgehoben. Aber der Film über den Musiker fasziniert mich von der ersten Minute an.

Inszeniert, aber doch improvisiert
Statt so zu tun, als würde dem Publikum ein objektiver Dok-Film vorgesetzt, lassen die Regisseure Jane Pollard und Iain Forsyth deutlich durchblicken, dass jede Szene inszeniert ist. Einzig die Dialoge sind live improvisiert.

Zum Beispiel wenn Cave Weggefährten wie Blixa Bargeld oder Kylie Minogue durch die Nacht chauffiert, eine sympathische Hommage an Jim Jarmuschs Taxi-Film «Night on Earth». Oder wenn Cave Fotos oder Gegenstände vorgelegt werden, die ihn in die eigene Vergangenheit versetzen.

Wie ein Rockstar gemacht wird
Konventioneller sind Einblicke in den Studio-Alltag, wobei auch dies durchgeplant ist wie ein Manöver der Schweizer Armee. Zum Beispiel zeigt der Film die Entstehung eines Songs vom ersten Rumklimpern bis zum Konzert in Sydneys Opernhaus.

Während Cave mit seiner Band das Album «Push the Sky Away» einspielt, baut er also nebenbei im Film munter am eigenen Mythos weiter und demonstriert, wie man einen Rockstar macht. Das verdient 5 von 6 Filmbären.

Trailer / Making of

Autor/in: Reto Baer