«Anomlisa» - Kaufmanesker Puppenfilm

Zwei Puppen haben Stop Motion Sex und es ist nicht lächerlich, sondern berührend. Das schaffen Charlie Kaufman («Being John Malkovich») und sein Co-Regisseur Duke Johnson in «Anomalisa». Ein leicht sonderbarer Film, der einen sonderbar ratlos zurücklässt.

Gesichter aus Silikon mit einer Schnittlinie auf Augenhöhe: Michael und Lisa.
Bildlegende: Gesichter aus Silikon mit einer Schnittlinie auf Augenhöhe: Michael und Lisa. Universal

«Ich versuche nicht um des Sonderbaren Willens sonderbare Geschichten zu schreiben», sagte Charlie Kaufman «The Guardian». «Ich denke übers Storytelling einfach subjektiv nach, weil wir das Leben auch subjektiv leben.»

Für «Anomalisa» hat sich Charlie Kaufman, Drehbuchautor und Co-Regisseur, einen mittelalterlichen Motivationstrainer ausgedacht, Michael Stone, der sich so weit von der Welt entfremdet hat, dass er glaubt, alle anderen seien ein und dieselbe Person.

Ein Film, drei Stimmen
Filmisch wird das so gelöst, dass alle mittels Stop Motion animierten Puppen ähnlich aussehen und vom selben Schauspieler, Tom Noonan, gesprochen werden, auch die Frauen. Alle ausser die beiden Hauptfiguren.

Michael Stone wird von David Thewlis gesprochen, Lisa Hesselman von Jennifer Jason Leigh. Die Mimik ihrer Puppengesichter ist auch differenzierter als die der anderen Figuren. Das muss so sein, weil die beiden sich in einem Hotel finden.

Die Suche nach dem Einmaligen
Michael ist so von Lisa begeistert, dass er sie Anomalisa nennt. Endlich hat er eine Frau gefunden, die sich von allen anderen unterscheidet, insbesondere von Michaels eigener Frau. Damit macht Kaufman bewusst, dass viele «gelangweilte» Menschen heute das Abenteuer im Seitensprung suchen und das Ganze teils existenziell überhöhen.

Das ist ja schön und gut, aber muss diese Geschichte wirklich ein Puppentrickfilm sein? «Anomalisa» könnte ebenso gut ein Schauspieler-Film sein. Das einzige, wofür die Silikongesichter der Puppen sorgen, ist das sonderbare Element. «Kaufmanesk» ist Kaufman eben doch wichtig.

Trailer E / Trailer D / Making of E

Autor/in: Reto Baer