Daniel Day-Lewis bei der Arbeit

Als Steven Spielberg Unterhaltungsfilme wie «Der weisse Hai» oder «E.T.» drehte, bekam er nie einen Regie-Oscar. Den erhielt er erst 1994, nach über 20 Jahren im Filmgeschäft, für das Holocaust-Drama «Schindler's List». Vielleicht bringt ihm nun auch der historische Stoff «Lincoln» wieder Glück.

Die Rolle des Abraham Lincoln hat Daniel Day-Lewis die fünfte Oscarnomination eingebracht.
Bildlegende: Die Rolle des Abraham Lincoln hat Daniel Day-Lewis die fünfte Oscarnomination eingebracht. 20th Century Fox

Der Film beginnt mit einer Szene aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Lincoln (Daniel Day-Lewis) sitzt in einer Regennacht gemütlich im Stuhl und plaudert väterlich mit zwei Soldaten, der eine ist weiss, der andere schwarz. Damit ist das «Spielfeld» abgesteckt.

Zwei Monate später versucht der 16. Präsident der USA den 13. Verfassungszusatz durchzubringen, der die Sklaverei von Gesetzes wegen verbieten soll. Um das zu erreichen, verzögert er sogar Friedensverhandlungen mit den Südstaaten. Denn er denkt, er finde nur eine Mehrheit, wenn die Kongressabgeordneten glauben, die Abschaffung der Sklaverei bringe den Frieden.

«Talking Heads»
Fast zweieinhalb Stunden lang zeigt Steven Spielberg das politische und menschliche Taktieren Lincolns und seiner Verbündeten. Dabei wird geredet und geredet, argumentiert und gestritten, bis einem die Ohren wackeln. Das erfordert enorme Konzentration, zumal sehr viele Figuren vorkommen.

In Sachen Ausstattung und politische Streitkultur wirkt der Film historisch so akurat, dass man das Gefühl hat, in einer Geschichtslektion zu sitzen. Daran ändern auch die guten Schauspielleistungen nichts.

Zwölf Oscarnominationen
Zwölf Oscarnominationen für «Lincoln» sind daher eine klare Überbewertung. Daniel Day-Lewis, nominiert für den Oscar als bester Hauptdarsteller, ist sicher einmal mehr sehenswert, aber der Film ist definitiv nicht der beste Jahres.

So clever die Dialoge auch geschrieben sind, es bleibt ständig eine Distanz bestehen. Man kommt nie richtig in den Film hinein und ist sich konstant bewusst, einigen kostümierten Top-Schauspielern bei der Arbeit zuzusehen. Daher «nur» 4 von 6 Filmbären.

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Autor/in: Reto Baer