«Disconnect» - Sackstarker Ensemblefilm

In drei höchst dramatischen Handlungssträngen erzählt der Ensemblefilm «Disconnect», wie Social Media unser Leben beeinflussen und wie sehr das ständige Online-Sein die direkte zwischenmenschliche Interaktion verdrängt.

Jonah Bobo glänzt als gemobbter Schüler Ben.
Bildlegende: Jonah Bobo glänzt als gemobbter Schüler Ben. Impuls

Der Film erzählt drei Geschichten: 1. Derek verdrängt beim Poker den Tod seines Babys, während seine Frau Cindy in Selbsthilfeforen Zuwendung sucht und so einem Kreditkartenbetrüger auf den Leim geht. 2. Der unpopuläre Schüler Ben offenbart sich im Netz einem Mädchen, ohne zu ahnen, dass hinter der vermeintlichen Verehrerin zwei Schulkameraden stehen, die ihn verarschen wollen. 3. Der minderjährige Kyle verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Online-Prostitution und gerät an eine TV-Journalistin, die ihn interviewen will.

Henry-Alex Rubin verwebt diese drei Handlungsstränge ähnlich elegant, wie Paul Haggis dies in «L.A. Crash» tut oder Alejandro González Iñárritu in «Babel». Das Thema von «Disconnect» ist auf allen drei Erzählebenen die Kommunikation.

Trost verwandelt sich in Terror
Da ist ein Ehepaar, das nicht wirklich miteinander redet. Da ist ein Vater, der vor lauter Arbeit keine Zeit für Frau und Kinder hat. Da ist ein anderer verwitweter Vater, der seinen Sohn herumkommandiert wie einen Rekruten. Und dann ist da noch ein Sohn, dessen Eltern ganz abwesend sind.

Mit anderen Worten, die Menschen, die einander am nächsten sind, können nicht richtig miteinander reden. Daher flüchten sie sich in Ersatzgespräche, die sie im Internet führen. Und dieser vermeintliche Trost kann sich in Terror verwandeln. 5 von 6 Filmbären.

US Trailer                  D Trailer                    Interview mit Regisseur Henry-Alex Rubin

Autor/in: Reto Baer