«Finding Vivian Maier» - Berühmt nach dem Tod

Der Dok-Film «Finding Vivian Maier» funktioniert wie eine Detektiv-Geschichte, weil die Regisseure John Maloof und Charlie Siskel recherchieren, wer die Strassenfotografin war, die erst nach ihrem Tod berühmt wurde.

Eines der vielen Selbstporträts von Vivian Maier.
Bildlegende: Eines der vielen Selbstporträts von Vivian Maier. Praesens

John Maloof ist Stadthistoriker in Chicago und kaufte bei einer Zwangsversteigerung eine Schachtel voller Fotonegative, die von der verstorbenen Vivian Maier geschossen wurden. Als er die Qualität der Bilder sah, kaufte er danach alles von ihr zusammen, was er finden konnte.

Mittlerweile besitzt Maloof über 100'000 Negative, die er nach und nach einscannt. Vor allem die quadratischen Schwarzweiss-Aufnahmen, die Vivian Maier mit einer zweiäugigen Rolleiflex geschossen hat, zeigen grossartige Strassenszenen aus den 50er und 60er Jahren.

Die Leute lieben Vivian Maiers Fotos
Da die Autodidaktin, die ihren Lebensunterhalt als Kindermädchen verdiente, von den meisten Negativen keine Abzüge gemacht hat, interessieren sich die Kunst- und Fotomuseen nicht dafür. Erst heute Papierabzüge zu erstellen, gilt in Kunstkreisen nicht als comme il faut.

Also war John Maloof auf sich allein gestellt. Seine Hartnäckigkeit machte sich aber bezahlt. Das Publikum strömte in Massen in Vivian-Maier-Ausstellungen. Ihre Porträts von unbekannten Passanten berühren die Leute unmittelbar.

Vivian Maier würde diesen Film hassen
Spannend sind die Filmpassagen, in denen John Maloof herauszufinden versucht, was Vivian Maier für ein Mensch war. Die Leute, die sie kannten, glauben allerdings, sie würde diesen Film und den Rummel um ihre Person hassen.

Doch man kann es so sehen: Vivian Maier hatte Hunderte von Personen, ohne um Erlaubnis zu fragen, fotografiert. Nun wurde im Gegenzug dieser Film über sie gemacht. Und ich bin froh, denn ohne «Finding Vivian Maier» hätte ich diese tolle Fotografin nicht entdeckt. 5 von 6 Filmbären

Trailer

Autor/in: Reto Baer