Gefühle sind «Louder Than Bombs»

«Louder Than Bombs» ist ein stimmig geschnittenes Familiendrama, in dem ein Vater und zwei Söhne den Tod der Mutter verarbeiten. Regisseur Joachim Trier «beobachtet» die drei Männer mit grossem Mitgefühl.

Sie spukt durch diesen Film: die tote Mutter und Ehefrau (Isabelle Huppert).
Bildlegende: Sie spukt durch diesen Film: die tote Mutter und Ehefrau (Isabelle Huppert). Frenetic

Vor drei Jahren ist die Kriegsfotografin Isabelle Reed (Isabelle Huppert) bei einem Autounfall umgekommen. Jetzt soll es eine Retrospektive ihres Werks geben. Aus diesem Anlass kehrt Jonah (Jesse Eisenberg) nach Hause zurück zu seinem Vater Gene (Gabriel Byrne) und seinem 15-jährigen Bruder Conrad (Devin Druid).

Weil der Journalist Richard (David Strathairn) vor der Vernissage einen Artikel veröffentlichen möchte, in dem er die wahren Umstände von Isabelles Tod aufdeckt, sieht sich Gene gezwungen, vorher mit seinem jüngsten Sohn darüber zu reden. Doch das ist nicht so einfach. Denn Conrad hat sich seit dem Tod der Mutter verschlossen und flüchtet sich in Shooter Games.

Wenn nur noch Erinnerung bleibt
Co-Autor und Regisseur Joachim Trier erforscht diese versehrte Familie auf seine ganz eigene Art. In Rückblenden zeigt er den Rollentausch von Vater und Mutter: Er gibt seine Schauspielkarriere auf und wird Lehrer, um für seine Kinder da zu sein. Sie reist immer wieder in Kriegsgebiete und macht sich einen Namen als Fotografin.

«Louder Than Bombs» zeigt auf sehr einfühlsame Weise, was mit dem Vater und den beiden Söhnen passiert, wenn die Frau respektive Mutter nur noch in der Erinnerung existiert. Zur privaten kommt nun auch die öffentliche Erinnerung in Form der geplanten Ausstellung dazu. Mit all diesen Facetten müssen sich die drei Männer neu erfinden.

Trailer Ed / Cannes Interviews E

Autor/in: Reto Baer