«Get On Up» - James Brown Biopic

Zu sagen, «Get On Up» sei Legendenbildung, stimmt nicht ganz, da James Brown ja längst eine Legende ist. Aber es ist wohl die einzige Musikerbiografie der letzten Jahre, welche die dunkle Seite des Stars nicht zelebriert.

Oscarwürdig: Chadwick Boseman brilliert als James Brown.
Bildlegende: Oscarwürdig: Chadwick Boseman brilliert als James Brown. Universal

Die ersten Drogen sieht man nach zwei Stunden. Das würde man bei einem Film über eine Soul- und Funk-Legende nicht erwarten. Die Dunkelheit ist in diesem Film mehrheitlich das, was James Brown (Chadwick Boseman) als Kind und Jugendlicher passiert, weniger, was er als Erwachsener anderen antut.

Sicher, man sieht ihn mal, seine zweite Frau schlagen, man sieht ihn, seine Musiker schinden, man sieht ihn, wie er mit einem Gewehr in seinem eigenen Firmensitz amok läuft, weil eine Frau unerlaubterweise seine Toilette benutzte.

Mehr Dreck, bitte!
Aber die ganze übrige Zeit sieht man vor allem, was James Brown zur Legende machte: seine Zielstrebigkeit, sein untrügliches Gespür für den Funk, sein Charisma, sein einsamer Weg an die Spitze. Verankert wird das alles im Umstand, dass er zuerst von der Mutter (Viola Davis), dann vom Vater (Lennie James) im Stich gelassen wurde. Wir sollen einsehen: James Brown war von allem Anfang an solo.

«Get On Up» ist eine Aneinanderreihung von diversen Anekdoten aus James Browns Leben mit ganz viel toller Musik. Dem Hauptdarsteller Chadwick Boseman gebe ich 6 von 6 Filmbären, dem Film als Ganzem 4 von 6 Filmbären. Denn er ist etwas zu clean geraten.

«Get On Up» ist am 25. September der Eröffnungsfilm des Zurich Film Festival und wird dort auch am 3. Oktober gezeigt. Regulärer Kinostart ist am 9. Oktober.

Trailer E / Trailer D / Ausschnitt E

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Autor/in: Reto Baer