«Il capitale umano» - Italiens Ausverkauf

«Il capitale umano» ist ein clever montierter Film, der mit verschiedenen Perspektivwechseln bewusst macht, wie limitiert die Wahrnehmung des Einzelnen ist. Gemeinsam würden wir mehr erkennen, aber jeder schaut nur für sich.

Machen es die Jungen besser als ihre Eltern?
Bildlegende: Machen es die Jungen besser als ihre Eltern? Filmcoopi

«Il capitale umano» heisst «Das menschliche Kapital». Tatsächlich geht es um Geld und wie es sich im Überfluss oder Mangel auf die Menschen auswirkt. Der Immobilienhändler Dino Ossola hofft, von der Beziehung seiner Tochter zu profitieren. Sie ist nämlich mit dem Sohn der reichen Familie Bernaschi befreundet.

Also bittet er Signore Bernaschi, in einen Hedgefonds investieren zu dürfen, der 40 bis 50 Prozent Rendite bringen soll. Die Zahlen sind so phantastisch, dass beim Zuschauer schon mal alle Alarmlämpchen aufleuchten.

Starker Ensemble-Film
Und natürlich verliert Ossola sein hart verdientes Vermögen. Aber nicht das ist die eigentliche Tragödie, sondern der Verlust der Menschlichkeit. Sämtliche Werte stehen zum Ausverkauf. Kultur, Ehrlichkeit, Anstand, Mitgefühl: In Paolo Virzìs Film geht so ziemlich alles den Bach runter.

«Il capitale umano» zeichnet kein schönes Bild des heutigen Italien, tut dies aber sehr kunstvoll. Der Film beginnt quasi immer wieder von vorne und erzählt die Geschichte jeweils neu aus der Sicht einer anderen Person. Das ist spannend wie ein Krimi. Und die Schauspieler überzeugen durchs Band. 5 von 6 Filmbären.

Trailer

Autor/in: Reto Baer