«Iraqi Odyssey» - Samirs Opus magnum

Mit «Iraqi Odyssey» bereichert Samir das Schweizer Filmschaffen um ein sehr persönliches Werk, das etwas Universelles erzählt: Der Mensch kann überall leben, aber seine Heimat lässt er nie ganz zurück.

Samirs Halbschwester Souhair Jamal Aldan vor Archivaufnahmen aus dem Irak.
Bildlegende: Samirs Halbschwester Souhair Jamal Aldan vor Archivaufnahmen aus dem Irak. Look Now!

Ein Dok-Film in 3D, der fast drei Stunden dauert. Soll man sich das antun? Unbedingt! Denn von «antun» kann keine Rede sein. «Iraqi Odyssey» fesselt genauso wie Scheherazades Geschichten. Nur erzählt der Film keine Märchen.

Es geht um die wahren Lebensgeschichten der über die ganze Welt verstreuten Verwandten Samirs, die wie seine Eltern ihr Heimatland Irak verlassen haben, «weil sie sich nicht länger von der Religion diktieren lassen wollten, wie sie leben sollten», wie Samir sagt.

Samirs Verwandte engagierten sich zum Teil als Kommunisten und Feministinnen im Irak. Als das nicht mehr möglich war, mussten sie fliehen. Heute leben sie in London, Moskau oder Auckland.

Ungewöhnliche Nähe
Was «Iraqi Odyssey» so unwiderstehlich macht, sind diese Menschen, die trotz ihres Schicksals wache und lebensfrohe Zeitgenossen geblieben sind. Ihre Erzählungen ziehen einen so sehr in den Film, als würde man ihnen bei einem Glas Wein als Gast an ihrem Tisch zuhören.

Dass ein Dok-Film so viel Nähe erzeugen kann, ist ungewöhnlich. Wer sich nur annähernd dafür interessiert, was im Nahen und Mittleren Osten passiert, sollte sich «Iraqi Odyssey» nicht entgehen lassen. Denn der Film liefert neue Facetten und öffnet den Horizont. Und er ist schlicht und einfach ein tolles Kino-Erlebnis.

Trailer / «Focus» mit Samir

Autor/in: Reto Baer