«Mandela: Long Walk to Freedom» - Pflicht 5, Kür 3

Ein Film über Nelson Mandela kann gar nicht schief gehen, da der ehemalige südafrikanische Präsident eine derart faszinierende Persönlichkeit ist. Deshalb kann man «Mandela: Walk to Freedom» getrost sehen, aber Begeisterung kommt dann doch nicht auf.

Faszinierend ist, wie Schauspieler Idris Elba Mandelas Körperhaltung mit zunehmendem Alter ändert.
Bildlegende: Faszinierend ist, wie Schauspieler Idris Elba Mandelas Körperhaltung mit zunehmendem Alter ändert. Pathé Films

Wie immer wenn charismatische Persönlichkeiten, die Ikonencharakter haben, von Schauspielern dargestellt werden, braucht es eine gewisse Zeit, bis man sich im Kinosessel auf die Situation einlassen kann. Das war bei Meryl Streep als Maggie Thatcher so, das war bei Naomi Watts als Lady Di so, und das ist jetzt auch bei Idris Elba als Nelson Mandela so.

Elba ist ein grossartiger Schauspieler und beweist dies auch. Es liegt nicht an ihm, dass einen Justin Chadwicks «Mandela: Walk to Freedom» nicht vom Hocker reisst. Man schaut zwar interessiert und gelegentlich auch beeindruckt zu, wenn sich Mandelas ganzes Leben von der Kindheit bis zum Präsidentenamt auf der Leinwand entfaltet. Aber irgendwie bleibt immer ein leicht ungutes Gefühl.

Eindrücklich ja, berührend jein
Vielleicht reichen 141 Filmminuten einfach nicht, um einer Persönlichkeit wie Mandela umfänglich gerecht zu werden. Frühere Filme, die sich wie «Goodbye Bafana» (2007) oder «Invictus» (2009) auf bestimmte Lebensabschnitte beschränkten, wirken gelungener.

So oder so: Wer sich für Mandela interessiert, sollte den Film, der auf Mandelas Autobiografie «Der lange Weg zur Freiheit» (S. Fischer Verlag) basiert, unbedingt anschauen. Wer jedoch von einem Biopic mehr erwartet als das Nachspielen historischer Tatsachen, der muss nicht unbedingt ins Kino. Heisst: Pflicht 5, Kür 3. Das ergibt 4 von 6 Filmbären.

E Trailer                                  D Trailer                                Mandela-Porträt von spiegeltv

Autor/in: Reto Baer