Nairobis Jugend träumt von mehr

Filme vom afrikanischen Kontinent haben oft etwas Didaktisches, was sie für uns nur bedingt geniessbar macht. «Nairobi Half Life» ist für einmal überhaupt nicht so. David Tosh Gitongas Film überzeugt als erfrischender Mix aus Drama und Thriller mit einem fetten Soundtrack.

Das Landei Mwas (Joseph Wairimu) kommt in die Grossstadt Nairobi.
Bildlegende: Das Landei Mwas (Joseph Wairimu) kommt in die Grossstadt Nairobi. Trigon

Mwas lebt in der kenianischen Provinz vom Verkauf selbst kopierter DVDs. Nun will er aber sein Glück in der Hauptstadt Nairobi versuchen. Kaum angekommen, wird er fast bis auf die Unterwäsche ausgeraubt. Die Stadt wird nicht umsonst «Nai Robbery» genannt.

Nun muss Mwas möglichst schnell wieder zu Geld kommen. Dabei gerät er an eine Gang von Kleinkriminellen, die bei parkierten Autos Teile abmontieren, um sie als Ersatzteile an Garagisten zu verkaufen. Heimlich macht Mwas aber auch bei einer Off-Theatergruppe mit, denn er träumt davon, Schauspieler zu werden.

Authentischer Gangsterfilm
Das Tolle an «Nairobi Half Life» ist, dass der Film einen authentischen Einblick in eine afrikanische Metropole bietet. Keine Safari-Romantik, sondern teils harte Szenen vom rauen Alltag der Kenianer am unteren Rand der Gesellschaft.

David Tosh Gitongas Regiedebüt ist ein gelungener Schritt Richtung internationales Kino. Etwas Abzug gibt es, weil der Film fast zu viel sein will: am Anfang Komödie, dann Gangsterfilm, Arthouse-Drama und Sozialkritik in einem. Für gute 4 von 6 Filmbären reicht es aber allemal.

Trailer                    Filmausschnitt plus Musikvideo von Jeraw

Autor/in: Reto Baer