«Nebraska» - Schwarzweisses Meisterwerk

  • Montag, 13. Januar 2014, 14:10 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 13. Januar 2014, 14:10 Uhr, Radio SRF 3
  • Wiederholung:
    • Samstag, 18. Januar 2014, 12:45 Uhr, Radio SRF 3

Der ewige Nebendarsteller Bruce Dern spielt in Alexander Paynes «Nebraska» die Rolle seines Lebens: einen leicht dementen Rentner, der wegen eines Werbebriefs glaubt, eine Million Dollar gewonnen zu haben. Grossartig.

Bruce Dern brilliert als Woody Grant. Rechts Will Forte als sein Sohn David.
Bildlegende: Bruce Dern brilliert als Woody Grant. Rechts Will Forte als sein Sohn David. Ascot Elite

Eigentlich erzählt «Nebraska» eine traurige Geschichte von ganz gewöhnlichen Amerikanern, für die sich niemand interessiert, am wenigsten die Regierung. Und dennoch habe ich schon lange nicht mehr so gelacht im Kino.

Der Witz steckt darin, wie Regisseur Alexander Payne und Drehbuchautor Bob Nelson das Surreale der Situationen im ländlichen Amerika herausstreichen. Nur ein Beispiel: Als Woody Grant (Bruce Dern) nach Jahrzehnten wieder mal seine Verwandten besucht, tauschen sie sich nicht aus, sondern schauen gemeinsam fern.

Roadmovie der besonderen Art
Was zuvor geschah: Woody haut mehrfach von zu Hause ab, um die Million abzuholen, die ihm in einem Werbebrief versprochen wurde. Zu Fuss will er ins 900 Meilen entfernte Lincoln, Nebraska, tippeln.

Irgendwann sieht sein Sohn David (Will Forte) keine andere Möglichkeit mehr, als seinen sturen Vater nach Lincoln zu fahren. Unterwegs machen sie einen Abstecher in Woodys Geburtsort Hawthorne, wo plötzlich alle seine Verwandten und ehemaligen Freunde behaupten, Woody habe noch ausstehende Schulden zu begleichen.

Alexander Payne, der zuletzt den wunderbaren Hawaii-Film «The Descendants» mit George Clooney gedreht hat, inszeniert den Film in kunstvollen Schwarzweiss-Tableaus, die an alte Aufnahmen von Magnum-Fotografen erinnern. Das passt bestens zu den kargen und flachen Highway-Landschaften auf dem Weg von Montana nach Nebraska.

Der Film ist das erste Muss 2014
Das eigentliche Ereignis sind aber die Menschen in diesem Film. Kein einziger von ihnen wirkt wie ein Schauspieler. Alle sehen aus, als kämen sie direkt von der Strasse, wie zufällig Porträtierte in einem Dokumentarfilm. Und doch ist diese Authentizität komplett inszeniert.

Natürlich ist das die grosse Kunst von Alexander Payne. Er lässt die schrullige Tragikomödie nicht nur wie echt aussehen, er schält auch die unfreiwillige Komik aus dem Alltag der ländlichen USA heraus. Ganz grosses Kino. «Nebraska» muss man sehen. 6 von 6 Filmbären.

Trailer                                               Making of

Autor/in: Reto Baer