Neu im Kino: Die Schweiz als Festung?

«La Forteresse» ist ein eindrücklicher Dokumentarfilm über Asylsuchende in der Schweiz. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Goldenen Leoparden des Filmfestivals Locarno.

Zum ersten Mal erhielt ein Kamerateam Zutritt zu einem der fünf Schweizer Empfangs- und Verfahrenszentren für Asylbewerber. Der Film bietet nun Einblick in einen kargen Übergangsort in Vallorbe (VD), wo Asylsuchende darauf warten, dass der Staat über ihr Schicksal entscheidet. Das Personal des Zentrums, das Europas restriktivstes Asylgesetz umsetzen muss, schwankt zwischen Mitleid und Misstrauen. Der Film zeigt den täglichen Aussortierunsprozess von Menschen, ohne darüber zu urteilen.

Der Filmtitel «La Forteresse» bezieht sich übrigens auf eine Aussage eines Seelsorgers, der im Empfangszentrum Vallorbe arbeitet: «Ich habe das Gefühl, in einer Festung zu leben, in die niemand mehr hereingelassen wird.» Eine Aussage, die man so eigentlich nicht stehen lassen dürfte, aber Regisseur Fernand Melgar kommentiert nichts. Er beobachtet nur. Wir Zuschauer sollen uns unseren eigenen Reim darauf machen. Das ist nicht immer einfach, aber sehr spannend.

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Autor/in: Reto Baer