«Safari» - Freizeitaktivität: Töten

Wenn der Österreicher Ulrich Seidl mit der Kamera seinen Landsleuten folgt, kommen immer skurrile, entlarvende Dok-Filme heraus: «Im Keller» etwa oder die Paradies-Trilogie «Glaube, Liebe, Hoffnung». Nun geht er mit Österreichern auf «Safari».

Das Erinnerungsfoto darf nicht fehlen.
Bildlegende: Das Erinnerungsfoto darf nicht fehlen. Outside the Box

In der ersten Einstellung sehen wir einen Jäger, der vor einem Tannenwald ins Horn bläst. Sind wir im falschen Film? Nein, der Titel «Safari» erscheint auf der Leinwand. Vielleicht will Regisseur Ulrich Seidl andeuten, dass im Grunde alle Österreicher Waldläufer und Jäger sind.

Oder er sagt einfach: Dies ist der Ausgangspunkt. Und wer genug Geld hat, der kann den Tannenwald durch die afrikanische Steppe ersetzen, in eine luxuriöse Safari Lodge einchecken und sich dann von einheimischen Jagdführern mit dem Land Rover zum Grosswild karren lassen.

Kick für Touristen
Ja, und dann schiessen sie, die Damen und Herren. Und sie treffen immer. Ihre jeweiligen Liebsten loben ausführlich den tollen Blattschuss. Es ist etwas schwierig, im Kinosessel den Adrenalinschub der Protagonisten nachvollziehen zu können.

Und damit wir nie vergessen, wieviel es kostet, ein Gnu oder eine Giraffe abzuknallen, listet ein übergewichtiges Ehepaar die Preise auf. Je nach Grösse des Tiers ein paar Hundert Euro mehr oder weniger. Flug und Lodge-Zimmer kosten sicher mehr.

Sind wir das wirklich?
Am stärksten ist der Film, wenn die Ehepaare ihre Freizeitbeschäftigung vor laufender Kamera zu rechtfertigen versuchen. Es scheint fast, als wollten sie sich selber damit die Legitimation erteilen, dass sie auf einem fremden Kontinent grundlos wunderschöne Tiere töten.

Wie immer bei Ulrich Seidl dreht sich auch «Safari» um die menschliche Natur. Und einmal mehr bietet uns die Kamera dieses staunende Beobachten, das sich ständig wundert: Sind wir das wirklich? Keiner zeigt das Unbekannte im vermeintlich Bekannten besser als Seidl. Stark wie immer.

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