Schottischer Whisky macht lustig

Obwohl Ken Loach in «Angels' Share» wie gewohnt ein Sozialdrama aus der untersten Schicht der britischen Bevölkerung schildert, ist der Film einer seiner leichtesten. Denn die zweite Hälfte entwickelt sich zu einer schlitzohrigen Gaunerkomödie.

«Hey! Was habt ihr da unterm Kilt versteckt?»
Bildlegende: «Hey! Was habt ihr da unterm Kilt versteckt?» Filmcoopi

Bei der Produktion von Whisky verdunsten zwei Prozent des Alkohols pro Jahr. Das nennen die Hersteller den «Angels' Share», den Anteil der Engel. Eine schöne Vorstellung: beschwipste Engel. Doch so leicht beginnt Ken Loachs neuer Film nicht.

Robbie (Paul Brannigan) hat unter Drogen einen Mann spitalreif geprügelt und wird deshalb zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Dabei lernt er den gutherzigen Sozialarbeiter Harry (John Henshaw) kennen, dessen Hobby Whisky ist.

Whiskey-Klau mit Pannen
Schliesslich plant Robbie, in den schottischen Highlands ein paar Flaschen des teuersten Whiskys der Welt zu stehlen. Seine Kumpels von der gemeinnützigen Arbeit sollen ihm dabei helfen. Doch das geht nicht ohne Pannen ab.

Ken Loach (Regie) und Paul Laverty (Drehbuch) spielen den Whisky-Coup mit so herzerwärmendem Humor durch, dass man den düsteren Filmanfang beinahe vergisst. Mit der Zeit schliesst man diese Randständigen aus Glasgow samt ihrem schottischen Akzent ins Herz.

Nicht verpassen!
«Angels' Share» wurde in Cannes zu Recht mit dem «Prix du Jury» ausgezeichnet und hat das Potenzial, hierzulande ein ähnlicher Publikumsliebling zu werden wie einst «Full Monty» (1997) oder «As It Is in Heaven» (2004).

Wer einen richtig spassigen und zugleich denkwürdigen Kinoabend sucht, sollte diesen Film auf keinen Fall verpassen. Wo sonst kann man Polizisten sehen, die Männer unter den Schottenrock gucken wollen?

Autor/in: Reto Baer