Singende Hollywood-Stars

Tom Hoopers «The Kings Speech» war vor zwei Jahren für zwölf Oscars nominiert und gewann vier. Seine Musical-Verfilmung «Les Misérables» geht am 24. Februar nun immerhin noch mit acht Nominationen ins Rennen um die Oscars.

Der Ex-Sträfling Jean Valjean (Hugh Jackman) kümmert sich um die Prostituierte Fantine (Anne Hathaway).
Bildlegende: Der Ex-Sträfling Jean Valjean (Hugh Jackman) kümmert sich um die Prostituierte Fantine (Anne Hathaway). Universal

Bei «The Kings Speech» hat Regisseur Tom Hooper aus wenig (einem stotternden König) viel herausgeholt. Bei «Les Misérables» kann er nun aus dem Vollen schöpfen und mit der ganz grossen Kelle anrühren.

Schon die allererste Szene ist darauf angelegt, das Publikum wegzublasen: Sträflinge ziehen an einem elefantenbeindicken Seil ein Segelschiff ins Trockendock. Als ob das nicht schon absurd genug wäre, singen sie noch dazu.

Ausschliesslich Gesang ohne Dialog
Der erste Schock über die Unnatürlichkeit des Singens muss heftig sein, damit das Publikum sich innert Minuten darauf einstellt, dass es nun mehr als zweieinhalb Stunden lang von singenden Schauspielern durch eine hochdramatische Geschichte geführt wird.

Frankreich 1815, 26 Jahre nach der französischen Revolution sitzt wieder ein König auf dem Thron. Der Polizist Javert (Russell Crowe) entlässt den Sträfling 24601 alias Jean Valjean (Hugh Jackman) in die Freiheit, glaubt aber, er werde stets ein Verbrecher bleiben.

Anne Hathaways Sternstunde
Acht Jahre später hat sich Valjean mit neuem Namen an einem neuen Ort eine Existenz aufgebaut. Doch dann wird Javert auch dorthin versetzt. Parallel dazu wird noch die Liebesgeschichte zwischen Valjeans Mündel Cosette (Amanda Seyfried) und dem Revolutionär Marius (Eddie Redmayne) erzählt.

Wer sich an den Singsang und das theatralische Schauspiel gewöhnt, kann ein tolles Kinoerlebnis haben. Für alle anderen dürfte es eine Qual sein, die 158 Filmminuten durchzustehen. Vor allem Russell Crowes Gesang ist unerträglich, während Anne Hathaway mit «I Dreamed a Dream» eine Sternstunde hat. Der Nebendarstellerin-Oscar steht schon bereit für sie.

Von begeisternd bis nervend
Ähnliche Songqualität haben nur drei weitere Nummern in diesem Musical von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Libretto), das auf Victor Hugos gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1862 basiert. Aber die Inszenierung ist grosse Klasse. Meine Gefühle schwanken zwischen begeistert (Bilder) und genervt (Crowe), daher vergebe ich diplomatische 3 von 6 Filmbären.

Hier geht es zum Trailer.

Autor/in: Reto Baer