«Son of Saul» - Das Unzeigbare zeigen

Warum soll man ins Kino gehen, um das zu sehen, was man nicht sehen will: den Holocaust? Weil man im Fall von «Son of Saul» ein Filmkunstwerk bekommt, bei dem die Form so sehr zum Inhalt passt, dass man es nie mehr vergisst.

Géza Röhrig brilliert als Saul.
Bildlegende: Géza Röhrig brilliert als Saul. Filmcoopi

Es gibt die Theorie, man könne das Grauen der Judenvernichtung nicht zeigen, ohne es zu verharmlosen. Daher solle man es gar nicht erst versuchen. Der ungarische Regisseur László Nemes hat jetzt die Lösung für dieses Problem gefunden. Er zeigt es, indem er es bewusst nicht zeigt.

Wie geht das? Indem er die Kamera ständig auf die Hauptfigur Saul fokussiert, wodurch alles, was hinter ihm im Bild sichtbar ist, in die Unschärfe gleitet. Und es ist ohnehin nur «wenig» zu sehen, da im Format 4:3 gedreht wurde, was den Blick einengt und nie schweifen lässt.

Einmaliges Filmerlebnis
Das ist nicht nur eine geniale formale Idee, sondern passt ideal zum Inhalt, weil es unterstreicht, dass Saul das Grauen in Auschwitz nur aushalten kann, indem er es weitgehend ausblendet. Er gehört zum sogenannten Sonderkommando, einer Gruppe von KZ-Häftlingen, die gezwungen werden, die Nazis bei der Ermordung der Juden zu unterstützen.

Eines Tages glaubt Saul, in einem toten Jungen seinen Sohn zu erkennen. Gegen alle Widrigkeiten versucht er, ihn würdig zu beerdigen. Das ist sehr bewegend, hoch dramatisch und auch packend. Ein einmaliges Filmerlebnis, das man nie wieder vergisst.

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Autor/in: Reto Baer