«Sonita» - Rapperin in Teheran

Rokhsareh Ghaem Maghamis «Sonita» ist ein packender Dok-Film über eine afghanische Rapperin im Iran, ein Film, der nebenbei auch die Frage nach der moralischen Verantwortung einer Dok-Filmerin stellt.

Rappen mit Kopftuch: Sonita glaubt an ihren Traum.
Bildlegende: Rappen mit Kopftuch: Sonita glaubt an ihren Traum. Xenix

Mit 18 darf Sonita Alizadeh davon träumen, als Rapperin so berühmt wie Rihanna zu werden. Auch wenn die Afghanin als illegale Immigrantin in Teheran lebt, wo es Frauen verboten ist, öffentlich Musik zu machen und zu singen.

Die Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami hat den Dok-Film über die junge Frau sicher mit der Absicht begonnen, Sonita als unbeteiligte Beobachterin zu begleiten. Aber das änderte sich rasch.

Musikclip gegen Zwangsheirat
Denn Sonitas Mutter will sie in die Heimat zurückholen, um sie für 9000 Dollar zu verheiraten. Mit diesem Geld möchte ihr älterer Bruder sich selber eine Braut kaufen. Die Regisseurin Maghami findet das schlimm und zahlt der Mutter 2000 Dollar, um wenigstens einen Aufschub zu erwirken.

Danach dreht Sonita mit der Kamera des Filmteams ein Musikvideo, in dem sie die Zwangsheirat anprangert. Die Regisseurin hat der jungen Rapperin also zweimal geholfen und somit das Geschehen entscheidend beeinflusst. Darf eine Dok-Filmerin das? Oder müsste man vielmehr fragen: Darf man unbeteiligt zusehen und nicht helfen?

Unglaubliches Schicksal
Insofern bietet der Dok-Film «Sonita» spannenden Diskussionsstoff. Aber auch eine spannende Handlung. Was Sonita alles erlebt, ist unglaublich. Man staunt mehr als einmal über den Mut der jungen Frau. «Sonita» ist der reale und bessere Zwillingsfilm zum fiktiven «As I Open My Eyes». Sundance 2016: Grosser Jurypreis und Publikumspreis.

Trailer / Interview mit Sonita

Autor/in: Reto Baer