«Star» - Moskauer Märchen

Anna Melikians «Star» ist eine Mischung aus Gesellschaftssatire und modernem Märchen. Einerseits wird Putins Russland an den Pranger gestellt, anderseits flirrt ein leiser Hoffnungsschimmer durch die Strassen von Moskau.

Mascha (Tina Dalakischwili) nach der Brustvergrösserung vor ihrer Idolwand.
Bildlegende: Mascha (Tina Dalakischwili) nach der Brustvergrösserung vor ihrer Idolwand. Trigon

Mascha hat kein Geld, Rita hat als Frau des Oligarchen Sergej mehr als genug davon. Mascha träumt davon, ein reicher Star zu werden. Rita hofft auf den Trauschein und ein Kind von Sergej, um ihren sozialen Aufstieg endgültig zu zementieren.

Um Geld für Schönheitsoperationen zu verdienen, spielt Mascha eine sexy Meerjungfrau im Wassertank eines Clubs. Sergejs Sohn jobbt dort, verliebt sich in sie und stiehlt Geld für ihre Operationen. Zur gleichen Zeit erfährt Rita, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben habe.

Das böse Geld
In ihrer Verzweiflung zeigt Rita Sergej erstmals ihr wahres Gesicht: dass sie ihn gar nicht liebt. Daraufhin wirft er sie aus der Villa und sperrt ihre Kreditkarten. Auf der Suche nach etwas Geld landet sie schliesslich in dem Club. Dort freundet sie sich mit Mascha an, die sie in ihre winzige Wohnung aufnimmt. Hätte umgekehrt die eben noch reiche Rita der mausarmen Mascha geholfen? Wohl kaum.

Regisseurin Melikian schildert die hässlichen Seiten des Kapitalismus in Russland und entlarvt anhand der naiven Mascha die fragwürdigen Ideale der heutigen Jugend. Sie zeigt aber auch Maschas Hilfbereitschaft.

Der gute Prinz
Und dass jugendliche Naivität auch positiv sein kann, zeigt sie an der Figur Kostias, der sich weder an vorgegeben Idealen noch am Geld orientiert. Er will einfach seinen eigenen Weg gehen. So wird er letztlich für beide Frauen zum Hoffnungsträger.

Die Figuren mögen zwar überzeichnet sein, die Handlung etwas gar konstruiert und symbolbefrachtet, aber dennoch entwickelt der Film einen ganz eigentümlichen Zauber. Man schaut «Star» gern und hofft, dass Kostia der Erlöser-Prinz ist, den man in ihm vermutet. 4 von 6 Filmbären.

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Autor/in: Reto Baer