«Tableau noir» - Altes System als Schule der Zukunft?

Mit «Tableau noir» entführt Yves Yersin das Kinopublikum in eine quicklebendige Mehrstufen-Klasse. Sein Dok-Film ist so berührend, dass man am Ende am liebsten noch einmal zur Schule gehen würde. Natürlich nur in so eine tolle Klasse.

Der Blick des Lehrers Gilbert Hirschi spricht Bände.
Bildlegende: Der Blick des Lehrers Gilbert Hirschi spricht Bände. Filmcoopi

Während Erwin Wagenhofer in seinem kontrovers diskutierten Dok-Film «Alphabet» anregt, man müsse neue Formen der Bildung ausprobieren, zeigt Yves Yersin in «Tableau noir», dass man sich ebenso gut auf eine alte Form zurück besinnen könnte: die Mehrstufen-Klasse.

Der Romand, der 1980 mit dem Spielfilm «Les petites fueges» einen der erfolgreichsten Schweizer Filme realisiert hat, porträtiert eine Schulklasse, in der Sechs- bis Zwölfjährige gemeinsam unterrichtet werden. Auch wenn das in ländlichen Gegenden heute noch üblich ist, so verschwinden doch immer mehr dieser Mehrstufen-Klassen. Auch die im Film porträtierte Schule «La Montagne» im neuenburgischen Derrière-Pertuis wurde geschlossen.

Yves Yersin wollte aber nicht auf der Nostalgie-Schiene fahren, die gewisse Filme über Bergbauern pflegen. Der 71-Jährige wollte vielmehr zeigen, was im Rahmen der Volksschule möglich wäre. Dazu braucht es in erster Linie Lehrpersönlichkeiten wie Gilbert Hirschi, der mit Leidenschaft und Liebe unterrichtet. Der daraus erwachsende Respekt der Kinder wird im Film gut spürbar.

Szenen von überraschender Nähe
Nicht zu unterschätzen ist aber auch der soziale Aspekt einer Mehrstufen-Klasse, wo ältere Schüler Vorbildrollen einnehmen und ihre Kenntnisse vertiefen, indem sie den jüngeren helfen. In einer Klasse, wo alle Schüler den gleichen Jahrgang haben, können Kinder nie Sozialkompetenz auf diesem Niveau erwerben.

Das Faszinierende an «Tableau noir» ist die Ungezwungenheit, mit der die Kinder vor der Kamera agieren. Oft scheinen sie das Filmteam komplett zu vergessen. Das führt zu Szenen von überraschender Nähe und Emotionalität. Am Ende, wenn die Kinder wegen der Schliessung der Schule und des Abschieds von Herrn Hirschi weinen, geht einem das auch als Zuschauer sehr nahe. 5 von 6 Filmbären.

Trailer mit UT / Langtrailer F

Autor/in: Reto Baer