Tarantino tritt an Ort und verspritzt Blut

In «Inglourious Basterds» gab er den Nazis Saures, im Western «Django Unchained» lässt er nun die Sklaventreiber abschlachten. Dieser filmische Racheakt ist Psychohygiene der Kollektivseele à la Quentin Tarantino. Aber muss man sich das Gemetzel ansehen?

Dr. King Schultz (Christoph Waltz, links) und Django Freeman (Jamie Foxx) schiessen sich durch Tarantinos Wilden Westen.
Bildlegende: Dr. King Schultz (Christoph Waltz, links) und Django Freeman (Jamie Foxx) schiessen sich durch Tarantinos Wilden Westen. Walt Disney

Nein. Selbst eingefleischte Tarantino-Fans könnten während der 165 Filmminuten gelegentlich vor Langeweile seufzen, wenn die Figuren labern und sich die ixte Schiesserei kaum von der vorangehenden unterscheidet.

Worum gehts? Der deutschstämmige Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) kauft den Sklaven Django Freeman (Jamie Foxx) frei, weil dieser die Gesichter von drei Verbrechern kennt, auf die eine Belohnung ausgesetzt ist.

Morden für Geld
Da Django im Umgang mit Revolver und Gewehr ein Naturtalent ist, heuert Schultz ihn schliesslich sogar als Gehilfen an und verspricht ihm im Gegenzug, seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) ebenfalls aus der Sklaverei zu befreien.

Die beiden, die für Geld morden, haben also ihre edle Mission. Und wer sich ihnen in den Weg stellt, der wird mit einem Kugelhagel aus selbigem geräumt. Das Filmblut spritzt literweise über die Kinoleinwand.

Kunst oder Knallcharge?
Alle, die Quentin Tarantinos Gewaltorgien rechtfertigen, tun dies mit dem Hinweis darauf, der amerikanische Regisseur mache Kunst. Kunst notabene, die von der Firma Walt Disney weltweit in die Kinos gebracht wird.

Nun ja, es war auch Kunst, als Niki de Saint Phalle in den 60er Jahren mit dem Gewehr auf Farbbeutel schoss. Tarantino benutzt nun einfach ausschliesslich rote Farbbeutel, die unter den Kleidern der Schauspieler versteckt so zum Explodieren gebracht werden, dass sie aussehen wie Schusswunden.

Ständige Wiederholung
Eingebettet in die Geschichte wird diese «Aktionskunst» à la Tarantino allerdings stark mit Emotionen aufgeladen. Ausserdem sind das, was die Zuschauer zu sehen bekommen, keine zerschossenen Farbbeutel, sondern durchlöcherte Menschen.

Die ständige Wiederholung des ewig Gleichen macht es nicht besser. Noch nie wirkten Tarantinos Gewaltorgien widerlicher als jetzt, noch nie war so augenfällig: Der vermeintliche Kultregisseur tritt an Ort. Daher gibt es nur 3-4 von 6 Filmbären, 4 mit Blick auf Tarantino-Fans, 3 hinsichtlich aller anderen Kinogänger.

Englischer Trailer / Deutscher Trailer

Autor/in: Reto Baer